2013 hatte das Magazin Spiegel berichtet, dass West-Pharmafirmen DDR-Bürger massenhaft als Testpatienten missbraucht haben. Es sollen Studien unter niedrigen Standards durchgeführt worden sein. Dem widerspricht jetzt eine Wissenschaftskommission.

Die Wissenschaftskommission wurde von der Bundesregierung, von Ärztekammern und Arzneimittelherstellern beauftragt den Vorwürfen nachzugehen. Jetzt liegt der Abschlussbericht vor. Dieser besagt, dass es weder systematische Verstöße gegen geltendes DDR-Recht gab. Noch sei gegen Standards verstoßen worden, die damals im Westen galten.

Die Kommission widerspricht dem "Spiegel"-Bericht

Es gab durchaus Studien in der DDR durch westliche Pharmaunternehmen: Zwischen 1961 und 1990 wurden rund 900 klinische Studien durchgeführt. Die meisten Aufträge kamen wohl aus der Bundesrepublik, aber auch aus der Schweiz, aus Frankreich, Großbritannien und aus den USA.

"Die Methodik dieser Medikamententests und die Standards sollen sich nicht von denen im Westen unterschieden haben."
Wiebke Lehnhoff aus der Nachrichtenredaktion

Doch, so sagt die Wissenschaftskommission, habe sich die Methodik der Medikamententests und die Standards nicht von denen im Westen unterschieden. Die Kommission kritisiert die Aufklärung der Patienten, doch die war damals im Osten wie im Westen mangelhaft. Die genaue Dokumentation ist ziemlich schwierig. Das Problem: Die Kommission hat zu wenige Zeitzeugen gefunden, die belegen können, ob und wie diese angeblichen Aufklärungsgespräche abgelaufen sind.

Tests liefen in der DDR effizienter ab

Attraktiv war die DDR für die Unternehmen anscheinend nicht nur, weil die Studien preiswerter waren, sondern weil die Tests effizienter abliefen als im Westen. Die DDR war zentral organisiert und autoritär strukturiert. Tests konnten da zügiger durchgezogen werden.