Ob wir neugierig sind oder nicht, kann daran liegen, wie wir aufgewachsen sind. Auch unsere Gene beeinflussen unseren Wissensdurst. Neugierde können wir aber auch lernen, sagt Sophie von Stumm von der University of York. Im Studium kann das zum Beispiel hilfreich sein.

Unsere Neugier treibt uns voran. Durch sie erlangen wir Wissen, machen neue Erfahrungen und kommen zu neuen Erkenntnissen. Laut Forschenden der University of Pennsylvania aus den USA gibt es zwei Typen unter den Neugierigen: Die "Jäger" und die "Busybodies", was übersetzt etwa Wichtigtuer heißt.

Jagen oder Sammeln

Für ihre Analyse haben die Forschenden rund 150 Teilnehmende drei Wochen lang jeden Tag für eine Viertelstunde in der Wikipedia lesen lassen. Es zeigte sich: Die Jäger-Typen unter ihnen haben sich auf einen Themenbereich konzentriert und diesen genauer untersucht. Interessierten sie sich zum Beispiel für jüdische Geschichte, haben sie Wikipedia-Artikel über die Geschichte der Juden in Deutschland, den Zionismus oder jüdische Schriftsteller angeklickt.

Die Busybodies auf der anderen Seite sind sehr breit aufgestellt in ihren Interessen. Sie haben sich quer durch das Online-Lexikon geklickt: Von Artikeln zur Me-too-Bewegung, über physikalische Chemie bis hin zu einem amerikanischen Rennfahrer beispielsweise.

Neugierig sein kann man lernen

Sophie von Stumm hält die Unterscheidung in genau zwei Typen von neugierigen Menschen für fragwürdig. Sie ist Professorin für Psychologie an der University of York in England und forscht selbst zum Thema Neugierde. Anders als den US-Forschenden ging es Sophie von Stumm darum, herauszufinden, inwiefern uns Neugier beeinflusst.

Sie wollte zum Beispiel wissen, welche Art von Neugier beim Lernen hilft, mehr Informationen aufzunehmen und sich diese zu merken. Sie und ihre Kollegen kamen zu dem Ergebnis: Diejenigen, die sich auf spezifische Inhalte fokussiert hatten, kamen zu schlechteren Lernergebnissen, als Studienteilnehmende, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigt hatten.

"Wir haben Studien gemacht und gefunden, dass intellektuelle Neugier, sich auf Wissensinhalte zu konzentrieren, zu schlechteren Lernergebnissen führt, als sich offen einfach mit allem zu beschäftigen, was einem da so präsentiert wird."
Sophie von Stumm, Professorin für Psychologie an der University of York

Wie neugierig wir sind, bestimmen unsere Gene und auch unsere Sozialisation. Neugier kann man aber auch lernen, sagt Sophie von Stumm. Bei der Neugier gehe es darum, etwas Neues auszuprobieren. Sie empfiehlt daher, einmal in der Woche etwas Neues zu machen – eine Kleinigkeit, die nicht unserer Gewohnheit entspricht.

Mehr Neugier in sein Leben zu bringen, kann sich lohnen – zum Beispiel im Studium. Hier kann Neugier den Erfolg genauso stark beeinflussen wie die Bereitschaft, hart zu arbeiten, erklärt sie.

"Der Einfluss der Neugier war genauso stark wie des Hart-Arbeitens. Und das war schon überraschend. Wir hatten nicht damit gerechnet, so einen starken Einfluss der Neugier auf Uni-Erfolg zu finden."
Sophie von Stumm, Professorin für Psychologie an der University of York