Ahmad & Bartl

Mein Mitbewohner aus Syrien

Ahmad kommt aus Syrien. Bartholomäus von Laffert macht ein Praktikum in Berlin. Unter normalen Umständen wären Ahmad und Bartholomäus, kurz Bartl, sich nie begegnet. Bis sie in Berlin zusammen in einer WG leben.

Ahmad war zwei Jahre lang auf der Flucht. Er hat Syrien verlassen, als er dort zur Armee gemusst hätte. Da gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder den Militärdienst verweigern und von Assads Männern erschossen werden. Oder als Soldat im Krieg sterben. Er ging zuerst in die Türkei, dann nach Griechenland, schließlich zu Fuß nach Mazedonien, dann mit dem Zug nach Serbien. In Ungarn wurde er verhaftet.

Von Syrien nach Eisenhüttenstadt

Irgendwie schaffte er es dann mit dem Auto nach München und nach Berlin. Von dort wurde er in ein Flüchtlingslager nach Eisenhüttenstadt geschickt. Als es ihm in Eisenhüttenstadt zu langweilig wurde, hat er für einen Abend einen Abstecher nach Berlin gemacht - gemeinsam mit einem Freund. Dort waren sie feiern und trafen Bartl und dessen Mitbewohnerin Toni.

"Es war so eine Party für Flüchtlinge. Dann haben sie voll meine meine Musik gespielt - Metal und Rock. Und wir hatten keinen Platz zum Schlafen und es war 2 Uhr nachts und es fuhr kein Zug mehr nach Eisenhüttenstadt."
Ahmad über seine erste Nacht in Berlin

Auf in die WG

Um 2 Uhr war die Party vorbei und der letzte Zug nach Eisenhüttenstadt längst abgefahren. Bartl und seine Mitbewohnerin luden Ahmad und dessen Freund ein, bei ihnen in der WG zu schlafen. Seitdem sind sie Freunde. Was Bartl und Ahmad verbindet: Musik. Beide hören Metal und Punkrock.

"Als ich ankam, habe ich gefragt: Welche Musik hörst du? Und er sagte: Ich höre Papa Roach, My Chemical Romance, Billy Talent, Green Day. Wow, das ist genau die Musik, die ich mit 16 gehört habe!"
Ahmad über Bartls Musikgeschmack

Mit Bartl war Ahmad diesen Sommer beim Highfield Festival in Leipzig. Er hat sich im Mosh die Knie aufgeschlagen und Crowdsurfing gemacht. In Syrien wäre das nicht möglich gewesen - weder zur Friedens- noch zur Kriegszeit. Metal gilt dort als Teufelszeug.

Eine Zukunft in Deutschland

Ahmad hat seinen Mitbewohnern auch von den schrecklichen Kriegserfahrungen erzählt, dass er wochenlang sein Haus nicht verlassen konnte, dass seine Freunde bei Assads Bombenangriffen ums Leben kamen. In Deutschland ist er sicher. Als Syrer wird er hier bleiben können. Und er hat einen Traum: Er möchte 3D-Design studieren. Einen ersten Schritt dahin hat schon getan: Er macht ein Praktikum als 3D-Designer.

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