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Was ist wichtiger? Schulen, Sportplätze, bezahlbare Wohnungen oder die Schrebergärten der Kleingärtner? Berlins SPD und Linke setzen sich für Kleingärten ein.

Über viele Jahre mussten in Berlin die Kleingärten weichen und Platz machen für Bauplätze. Nun gibt es ein Umdenken in der Hauptstadt: Berlins SPD und Linke wollen die Laubenpieber in der Stadt schützen und dauerhaft sichern.

Berlin ist grün – dank vieler Kleingärten

Für viele Menschen ist das eine gute Nachricht: Es gibt nämlich circa 71.000 Kleingärten in Berlin. Das sind etwa drei Prozent der gesamten Stadtfläche. Viele Gärten sind auch mitten in der Stadt und nicht an der Grenze zu Brandenburg. "Wenn du hier zum Beispiel mit der Ringbahn fährst, siehst du rechts und links fast überall Kleingärten", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Manfred Götzke. Es gibt also eine ganze Menge Grün mitten in Berlin.

80 Prozent dieser Kleingärten sind dauerhaft geschützt, 10 Prozent haben eine Schonfrist bis ins Jahr 2030. Alle anderen Flächen könnten in den nächsten Jahren für Sportplätze für Wohnungen oder auch für Schulen geräumt werden. Das passiert auch schon: In Tempelhof wurde im November eine komplette Anlage geschlossen – für ein Schulbauprojekt.

"Das schmerzt, aber richtig! Jetzt irgendwann im März fängt normalerweise die Bewirtschaftung der Gärten an, da wird’s dann nochmal besonders schwierig."
Ehemaliger Kleingartenbesitzer

Für die ehemaligen Kleingärtner ist das hart. "Jetzt irgendwann im März fängt ja normalerweise die Bewirtschaftung der Gärten an", erzählt ein Mann, der dort für 40 Jahre seinen Garten hatte. "Da wird es dann nochmal besonders schwierig, vor allem für meine Frau, die vermisst ihn noch viel schlimmer als ich."

Die Regierungsparteien SPD und die Linke wollen nun ein neues Gesetz, das jede Bebauung von Kleingärten verbietet. Nicht nur für die Gärten die auf dem Land der Stadt liegen, sondern auch für private Flächen. Ihr Argument: Die Gärten seien auch wichtig fürs Stadtklima. "Wir leben in Zeiten des Klimawandels, wir merken, wir müssen die grünen Flächen, die Erholungsflächen sichern", sagt Daniel Buchholz, Sprecher für Stadtentwicklung der SPD.

"Das muss kein Widerspruch zum Wohnungsbau sein. Wir müssen nur an den richtigen Flächen verdichtet bauen, dann können wir auch die Freiflächen erhalten, die für uns alle so lebensnotwendig sind, damit wir durchatmen können."
Daniel Buchholz, Sprecher für Stadtentwicklung der SPD

Nach Ansicht der SPD würde dadurch kein Baustopp entstehen, so Daniel Buchholz: "Wir müssen nur an den richtigen Flächen verdichtet bauen, dann können wir auch die Freiflächen erhalten, die für uns alle so lebensnotwendig sind, damit wir durchatmen können." Anderswo intensiver bebauen also, damit die Grünflächen geschützt bleiben.

Städtische Wohnungen könnten Berlins Wohnungsproblem lösen

Menschen in der Stadtplanung und Architektinnen und Architekten sind allerdings skeptisch. Andreas Becher vom Berliner Architektenverband sagt, zumindest einen Teil kann man für Wohnraum nutzen: "Das sind unser aller Grundstücke und wieso gibt es so ein paar Privilegierte, die sich ihre Oase schaffen."

Stattdessen sollte Berlin dort städtische Wohnungen bauen und zu bezahlbaren Preisen vermieten. Auf einem Drittel der Fläche könnten 300.000 Wohnungen gebaut werden – und Berlins Wohnungsproblem wäre gelöst, so Andreas Becher.

"Hier muss das Land Berlin eigenes Geld in die Hand nehmen, eigene Wohnungen bauen und endlich wieder zu städtischen Wohnungen finden, die zu bezahlbaren Preisen vermietet werden können."
Andreas Becher, Berliner Architektenverband