Die Temperaturen sinken und die Sorge um Wohnungslose steigt. In Deutschland sind es geschätzt 335.000.

Jeder Sechste ist in Deutschland von Armut betroffen. Er verdient zu wenig, um sich eine Wohnung zu einem durchschnittlichen Mietpreis leisten zu können. In den letzten zehn Jahren ist gleichzeitig die Zahl der Sozialwohnungen gesunken und die Zahl der Wohnungslosen gestiegen. Von den geschätzt 335.000 wohnungslosen Menschen kommen rund 300.000 bei Verwandten oder in Notunterkünften unter. Die Restlichen sind hingegen obdachlos und besitzen gar kein Dach über dem Kopf.

"Die internationale Forschung hat nachgewiesen, dass der Hauptgrund für Wohnungslosigkeit die Entwicklung am Wohnungsmarkt ist."

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Wohnungslosen zwischen 2011 und 2015 beispielsweise um mehr als ein Viertel gestiegen: von 16.000 auf 21.000 - obwohl NRW im letzten Jahr bundesweit Platz zwei hinsichtlich der Förderung von Sozialwohnungen belegt hat. Das zeigt, dass auch Faktoren, wie Arbeitsplätze und Löhne eine Rolle für diese Entwicklung spielen.

Die Bundesregierung sagt, dass "psycho-soziale Ursachen" der Grund dafür sind - zum Beispiel familiäre Schwierigkeiten oder Suchtkrankheiten. Thomas Specht, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Wohnungslosenhilfe sieht diese Aussage sehr kritisch und glaubt, dass es andere Zusammenhänge gibt. 2013 gab es beispielsweise 1,4 Millionen Sozialwohnungen, eine Million weniger als zehn Jahre zuvor.

"Wenn man Zahlen hat, muss man auch über diese Gruppe sprechen und muss auch sagen: Was machen wir jetzt damit, wenn wir von diesem Problem wissen?"
Gabriele Schmidt, Arbeits- und Sozialministerium in Nordrhein-Westfalen

Unter Geflüchteten ist die Wohnungsnot noch höher

Laut Bundesregierung gab es Ende 2015 etwa 950.000 Geflüchtete in Deutschland - solche, die offiziell anerkannt waren und solche, bei denen der Status noch nicht entschieden war. Die Wohnungslosenhilfe glaubt, dass bis zu 400.000 davon ohne Wohnung sind – das heißt, sie leben in verschiedenen Notunterkünften. Zusammen mit denen, die in der Wohnungslosenstatistik auftauchen, macht das mehr als 700.000 Menschen, die momentan günstigen Wohnraum brauchen.

Gezielte Prävention

Die Statistiken können helfen, Ansätze zu finden, um auf lokaler Ebene Menschen zu unterstützen. Ein Projekt in der Stadt Troisdorf in der Nähe von Bonn, heißt "Keine Kinder im Obdach“. Es wird vom Bundesland NRW mit aufgebaut und soll dabei helfen, dass Familien in finanzieller Not ihre Wohnung behalten können.