"Wolfenstein: Youngblood" ist das erste große Computerspiel in Deutschland, das trotz vieler Hakenkreuze eine Freigabe der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ab 18 Jahren erhalten hat. Das liegt daran, dass Computerspiele von der USK inzwischen ähnlich behandelt werden wie Filme und andere Medien.

Ein Meilenstein aus der Wolfenstein-Reihe ist das 1992 erschienene Wolfenstein 3D. Mit seiner 3D-Optik und aufgrund seiner technischen Brillanz gilt es als Erfinder der First-Person-Shooter-Spiele. Damit setzte das Spiel den Standard für nachfolgende Computerspiel-Generationen. Schon damals stand das Game in der Kritik. Da es Hakenkreuze zeigt, also Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen darstellt, wurde Wolfenstein 3D im Jahr 1994 in ganz Deutschland beschlagnahmt und indiziert.

"Dass da überall Hakenkreuze zu sehen sind, daran muss ich mich auch erstmal gewöhnen."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk Nova
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Bisher keine Hakenkreuze in Computerspielen

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) prüft in Deutschland jedes Computerspiel vor der Veröffentlichung und verteilt Altersfreigaben: ab 6 Jahren, ab 12, ab 16 oder ab 18 Jahren. Bisher war es so, dass keine Freigabe vergeben wurde, wenn ein Game Hakenkreuze gezeigt hat. Somit konnten diese Computerspiele bei uns nicht verkauft werden.

Es gibt aber die Sozialadäquanzklausel. Die besagt, dass Hakenkreuze und verfassungsfeindliche Symbole unter bestimmten Bedingungen erlaubt sind. Das gilt zum Beispiel für Schulbücher, Dokumentationen und für Kunst. Auch in Filmen zum Beispiel dürfen Hakenkreuze gezeigt werden, in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds“ etwa und vielen anderen Streifen.

Zwei Versionen für Deutschland

In Deutschland gibt es zwei Versionen von Wolfenstein: Youngblood zu kaufen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher: Eine der beiden zeigt Hakenkreuze, die andere nicht. Beide Versionen wurden parallel hergestellt für den Fall, dass die internationale Version mit Hakenkreuzen doch keine USK-Freigabe bekommen hätte. Die deutsche Variante ohne verfassungsfeindliche Symbole ist sozusagen das Sicherheitsnetz. Nachdem dann beide Versionen von der USK ab 18 Jahren freigegeben wurden, hat der Spielerentwickler sie auch beide veröffentlicht. Das überrascht unseren Reporter nicht, da es dabei um viel Geld geht, sagt er.

"Es gibt eine Pressemitteilung von Bethesda, der Firma hinter Wolfenstein: Sie haben eine Version des Spiels mit Hakenkreuzen und eine speziell für den deutschen Markt ohne Hakenkreuze entwickelt - also so wie in den älteren Wolfenstein-Spielen schon."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gameexperte

Nicht das einzige Computerspiel mit Hakenkreuzen in Deutschland

In Deutschland sind weitere Spiele erhältlich, die Hakenkreuze zeigen: Zum einen das tschechische Spiel "Attentat 1942", das eine Mischung aus Dokumentation und Computerspiel mit Filmaufnahmen und Zeitzeugen-Interviews ist - also kein klassisches Computerspiel. Das andere Computerspiel heißt "Through the Darkest of Times" und ist bisher noch nicht veröffentlicht. Bisher wurde es nur auf der Computerspielmesse Gamescom und auf weiteren kleineren Messen öffentlich gezeigt. Der Spieler ist dabei Teil einer Widerstandsgruppe in Berlin und versucht den Krieg zu überstehen.

"Da spielt man eine Widerstandsgruppe in Berlin und versucht den Krieg zu überstehen, also ziemlich das Gegenteil vom Actionkracher Wolfenstein. Denn sein Spiel ist überhaupt kein Kriegsspiel, sagt der Entwickler Jörg Friedrich."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk Nova

Das Spiel hat eine düsterere Stimmung als das Egoshooter-Game Wolfenstein, sagt unser Reporter Thomas Ruscher. Diese beiden Independent-Spiele werden zwar von viel weniger Gamern gespielt als das Blockbuster-Game Wolfenstein, sie sind aber mit ein Grund dafür, dass in Deutschland inzwischen Hakenkreuze im Computerspiel gezeigt werden dürfen: Damit auch solche Spiele, die von ihren Entwicklern als Antikriegs-Spiele verstanden werden, in Deutschland veröffentlicht werden können.

"Es geht um diese Menschen und was sie durchgemacht haben und was für ein Leben sie hatten und wie schwierig das war. Das ist der Fokus des Spiels."
Jörg Friedrich, Entwickler von "Through the Darkest of Times"