Schon lange vor der ersten Mondfahrt träumten die Menschen davon, wie es wohl wäre, den Mond zu betreten. Sie malten sich nicht nur aus, wie das technisch möglich wäre, sondern dachten auch über die wirtschaftlichen Voraussetzungen nach. Ein Vortrag über Kapitalismusfantasien von Stephan Packard.

Vor über einem halben Jahrhundert, im Juli 1969, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Damit wurde eine Zukunftsfantasie Realität, sagt Medienwissenschaftler Stephan Packard.

"Um die tatsächliche Mondlandung geht es auch schon in Texten, als sie noch nicht stattgefunden hat."

1950 aber war die Wirklichkeit von heute noch Science-Fiction. Der amerikanische Schriftsteller Robert A. Heinlein schrieb damals ein Buch über den ersten Menschen auf dem Mond: "The Man Who Sold the Moon – Der Mann, der den Mond verkaufte".

"Menschen denken sich: Wie ich heute lebe, ist so anders, als man vor zehn Jahren gelebt hat, was könnte noch kommen?"

In Heinleins Erzählung geht es nur in zweiter Linie um die wissenschaftlichen und technischen Aspekte einer Mondlandung. Eine viel wichtigere Rolle spielen die kommerziellen Bedingungen. Was für ein Wirtschaftssystem braucht es, um eine bemannte Mondmission durchführen zu können?

"Sie reden über die Mondfahrt zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht stattgefunden hat."

Stephan Packard ist Professor für Theorien des Populären an der Universität Köln. In seinem Vortrag arbeitet er heraus, wie sich Fortschrittsdenken, Technikglaube und Kapitalismusfantasien verbinden. In dieser Hinsicht ist Heinleins Roman bis heute aktuell. Noch immer prägt diese Mischung unsere Vorstellungen von Mondfahrt und Weltraumforschung.

Stephan Packards Vortrag hat den Titel "Selling the Moon. Die Erfindung der Mondlandung in Futurologie und Science Fiction". Er hat ihn am 10. April 2019 an der Universität Köln gehalten im Rahmen der Ringvorlesung "Mondspiegelung".