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Mit 19 beschließt Wopana Mudimu, ihre Haare nicht mehr chemisch zu glätten, sondern Afro zu tragen – auch als Statement gegen weiße, westliche Schönheitsideale. Zehn Jahre später trägt sie immer noch Afro, ist Sozialpädagogin, gibt rassismuskritische Workshops und macht ganz viel Empowermentarbeit mit Schwarzen und of Colour Menschen. Auch wenn der Kampf gegen Rassismus ziemlich auslaugend sein kann.

Ihre Familie war am kritischsten, als Wopana Mudimu, 29, vor zehn Jahren beschlossen hat, ihre Haare als Afro zu tragen und nicht mehr chemisch zu glätten. "Meine Eltern haben gedacht: Vielleicht ist das gerade so eine Phase." Für Wopana war der Schritt aber weniger eine Phase, sondern vielmehr eine ganz bewusste Entscheidung für ihr natürliches Haar – und ein Abschied von den gängigen westlichen Schönheitsidealen.

"Mittlerweile sage ich auch, dass es bewusst ein Gegenentwurf zu den gegenwärtigen Schönheitsidealen ist."
Wopana Mudimu über ihre Entscheidung, Afro zu tragen

Wopanas Frisur ist damit auch ein politisches Statement. Die 29-Jährige sagt: "Haare sind so politisch, wie wir sie politisch machen."

Rassismuskritik als Bubble-Thema

Heute arbeitet Wopana als Sozialpädagogin, sieht sich selbst als politische Aktivistin und beschäftigt sich vor allem mit Themen, die schwarze Menschen und BPOCs betreffen. Sie gibt Workshops zu Black Hair Politics, Rassismuskritik und macht Empowermentarbeit. Sie findet schon, dass diese Themen in Deutschland sichtbarer geworden sind, hat aber gleichzeitig den Eindruck, dass es meist bestimmte Bubbles innerhalb der weißen Mehrheitsgesellschaft sind, die sich damit beschäftigen.

"Die Themen kommen nicht so ganz in der Mitte der Gesellschaft an."
Wopana Mudimu

Wopana findet, es müsse mehr staatliche Strukturen geben, um rassismuskritische Themen breiter in die Gesellschaft zu tragen – und dass sich mehr Menschen an dem Diskurs beteiligen müssten. "Es reicht nicht, nur diejenigen in Verantwortung zu ziehen, die sowieso schon aktiv sind."

Eine Zeit lang hat Wopana fast ausschließlich Aufklärungsarbeit gemacht – was extrem anstrengend und auslaugend sein kann, sagt sie. Heute hat sie ihre Schwerpunkte etwas verändert.

"Wenn ich nur Aufklärungsarbeit für die weiße Mehrheitsgesellschaft machen würde, dann wäre ich schon durchgedreht, weil es nichts ist, was erfüllend ist oder was zurückgibt."
Wopana Mudimu

Hauptberuflich arbeitet Wopana mittlerweile in einem Jugendkulturzentrum in Aachen, das ihr Mann Sebastian gegründet hat. Im "KingzCorner" liegt Wopanas Fokus darauf, Empowerment-Räume für Rassismus-Betroffene Menschen zu schaffen. Dort können die Jugendlichen, die oft eine Migrations- oder Fluchtgeschichte haben, sich kreativ entfalten, Songs aufnehmen und produzieren, es gibt Graffiti-Workshops und Schreibwerkstätten.

Wopana ist außerdem Spoken Word Künstlerin und schreibt Poesie-Texte. Wo sie gerne mal einen Spoken-Word-Abend veranstalten würde und was Jede*r von uns im Kampf gegen Rassismus tun kann, hört ihr im Deep Talk mit Rahel Klein.