Wunder gibt es immer wieder - behauptet ein alter Schlager. Und schaut man nach Leicester, muss man das fast glauben: Der neue englische Fußballmeister ist eine Sensation. Aber wie viel Wunder steckt wirklich drin?

Es ist wirklich ein Hammer. Und kaum einer hatte damit gerechnet: Dass der kleine, eher unbedeutende Verein Leicester City am Ende englischer Meister wird. Erst seit zwei Jahren spielt der Verein überhaupt wieder in der Premier-League. Und in der letzten Saison war er schon so gut wie abgestiegen. Und nun das!

Auf Sieg getippt

Wenn es um Wahrscheinlichkeiten geht, da sind die Engländer ganz weit vorn. Auf alles und jedes wird gewettet. Natürlich auch auf den Meistertitel. Bloß: Leicester hatten die wenigsten auf dem Schirm.

Sebastian Rams, DRadio-Wissen-Autor
"Die Quote lag bei 5000 zu 1. Und Wettanbieter müssen jetzt kräftig an die auszahlen, die von Anfang an an das Wunder geglaubt haben. Wer auch nur zehn Pfund gesetzt hat, bekommt 50.000 Pfund raus. Wahnsinn!"

Für die selbe Quote boten Wettbüros weitere sehr, sehr unwahrscheinliche Wetten an: Zum Beispiel, dass das Monster von Loch Ness oder der Yeti gefunden werden. Oder dass eine Frau als Trainer bei einem Klub der Premier-League anheuert.

Und wie bei einem Wunder üblich, haben auch ein paar Heilige oder Verstorbene ihre Finger im Spiel: Wundermacher Nummer eins etwa ist ein thailändischer Mönch, den der Besitzer des Vereins, Vichai Srivaddhanaprabha, nach Leicester einfliegen ließ, damit er den Rasen weiht.

Ein toter König und ein Mönch

Wundermacher Nummer zwei ist Richard III. Die Gebeine des verstorbenen englischen Königs wurden nämlich unter einem Parkplatz in Leicester entdeckt - und dann feierlich in der Kathedrale beigesetzt. Seitdem ging es für den Verein steil bergauf.

Natürlich gibt es eine Menge Skeptiker, die nicht an das Wunder glauben wollen. So wie Martin Mahner. Er arbeitet für die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften und sagt: "Eine statistische Seltenheit allein begründet das Wunder nicht." Okay. Das stimmt natürlich.

An das Außergewöhnliche glauben

Aber weil es so schön ist, ab und zu an ein Wunder zu glauben, ignorieren wir die nüchterne Betrachtungsweise einmal. Und wir halten uns lieber an Peter Breidenbach. Er ist Mental-Coach und Trainer und er macht uns Mut.

"Wenn wir an etwas ganz fest glauben, dann sind Dinge möglich, die wir uns nie zuvor haben vorstellen können."
Peter Breidenbach, Coach und Sport-Trainer

Und es kommt noch besser: Wer den Titelgewinn von Leicester als Wunder betrachtet, der beweist, dass er noch staunen kann. "Das hat einen bestimmten Zauber", sagt Philosophin Rita Molzberger. Der Leicester-Hype zeige nur, meint sie, dass wir stets nach neuen Wahrheiten und dem Außergewöhnlichen suchen. Denn Gewöhnliches haben wir ja genug.