Ganz neu im Wurstregal ist die Wurst eines Herstellers, der damit wirbt, dass seine Wurstwaren aus 100 Prozent antibiotikafreier Aufzucht stammen.

Beim Einkauf von Fleisch- und Wurstwaren spielt für immer mehr Kunden auch die Herstellungsart eine Rolle. Neu im Angebot ist nun die Wurst eines Herstellers, der damit wirbt, dass seine Fleischwaren aus 100 Prozent antibiotikafreier Aufzucht stammen.

Warum ein solches Angebot sinnvoll erscheint:

Generell dürfen Fleischwaren keine Antibiotikarückstände aufweisen. Das gilt für Produkte von Biobetrieben wie auch für Produkte der konventionellen Landwirtschaft. 

Viel Antibiotika = hohe Chance auf resistente Bakterien

Die Kontrollen seien dabei in Deutschland relativ gut, nur hin und wieder würden sich hier Antibiotikarückstände finden, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Britta Fecke.

Was sich allerdings auf Fleisch und Wurstwaren befinden können, sind antibiotikaresistente Bakterien, die durch Verunreinigungen entstehen.

Werden sehr viele Antibiotika bereits in der Tierzucht verwendet, erhöht sich die Chance auf antibiotikaresistente Bakterien - und die wiederum können gefährlich für den Menschen sein. Benötigt er ein Antibiotikum, kann er möglicherweise wegen des bisherigen Fleischkonsums resistent sein. Das heißt: Das Medikament wirkt nicht.

Antibiotikafreie Aufzucht funktioniert

Je enger die Tiere gehalten würden und je mehr Stress Tiere hätten, so Fecke, desto krankheitsanfälliger seien die Tiere und desto schneller würde ein Antibiotikum verabreicht. Verbessere sich die Situation für die Tiere, müssten weniger Antibiotika zum Einsatz kommen.

Das macht sich das entsprechende Unternehmen zunutze. Es bezieht sein Fleisch nicht aus Deutschland, sondern von 40 Bauern aus Dänemark. Die dort gezüchteten Schweine werden anders gehalten und ernährt als in Deutschland. Die Schweine in Dänemark

  • erhalten ausschließlich hochwertiges, vegetarisches Futter,
  • bleiben nach der Geburt etwa eine Woche länger bei ihren Müttern. 

Dies unterstützt die Immunabwehr der heranwachsenden Schweine. Insgesamt ist in Dänemark auch mehr Personal im Einsatz.

"Wenn ich dann vielleicht irgendwann einen heftigen Infekt habe, kann es sein, dass ich resistent bin, obwohl ich selber noch nie Antibiotika genommen habe."
Britta Fecke, Deutschlandfunk Nova

In Dänemark bekommen die Bauern das eingesetzte Antibiotikum nicht vom Tierarzt – wie in Deutschland – sondern direkt aus der Apotheke. Und diese übermittelt die Daten über den Antibiotikaseinsatz dann direkt an die prüfende Behörde. Wenn also ein Bauer vorgibt, Schweine ohne Antibiotika zu züchten und dann plötzlich beispielsweise Penicillin kauft, fällt der Bauer auf.

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