Diesen Winter gab es eine riesige Grippewelle. Die Virus-Grippe mit Antibiotika zu behandeln bringt zum einen nichts und schadet sogar. Denn im Zweifel züchten wir uns damit resistente Keime im Darm heran.

Im Prinzip ist die Rechnung einfach: Viel Antibiotika machen Bakterien resistent gegen Antibiotika. Wissenschaftsjournalistin Verena von Keitz rät: nur Antibiotika nehmen, wenn es wirklich sein muss, und wenn, dann auch unbedingt zu Ende. Aber von vorne. Was ist das Problem? Das eine Problem ist, dass die Bakterien sehr anpassungsfähig sind. Es kann zum Beispiel passieren, dass bei der Einnahme eines Antibiotikums genau die Bakterien überleben, die darauf trainiert worden sind, sich gegen die Wirkung des Antibiotikums zu wehren.

"Die Bakterien mutieren gerne und können sich schnell auf neue Umweltbedingungen einstellen. Und zack hast du eine Resistenz."
Wissenschaftsjournalistin Verena von Keitz über resistente Keime

Das zweite Problem besteht darin, dass viele von uns ohnehin resistente Keime in sich haben. Die sitzen im Darm und sind erst mal harmlos. Mit jeder Antibiotikabehandlung können wir uns aber mehr und mehr von diesen resistenten Bakterien selbst heranzüchten. Die resistenten Bakterien an sich machen nicht krank, aber sie greifen gerne dann an, wenn das Immunsystem im Keller ist. Dann machen sie extreme Probleme, weil dann eben kein Antibiotikum mehr hilft.

Immer mehr Menschen haben resistente Bakterienarten in sich

Begeben wir uns auf eine Spurensuche: Wo kommen die Resistenzen her? Ganz oben auf der Liste steht die Landwirtschaft. Dort werden Antibiotika oft maßlos eingesetzt und so entstehen viele Resistenzen. Ebenso können sie von rohem Fleisch kommen oder von anderen Menschen. Eine weitere Möglichkeit, wie wir an diese resistenten Bakterien kommen, sind Reisen. Viele bringen die Keime aus Indien oder Asien mit. Untersuchungen zeigen, dass es immer mehr Menschen gibt, die resistente Bakterienarten mit sich herumtragen. Wie viele dabei über Lebensmittel kommen, darüber gibt es keine belastbaren Zahlen.

"Meine persönliche Meinung: Auf Antibiotika-Hühnchen zu verzichten, hilft.´"
Wissenschaftsjournalistin Verena von Keitz über resistente Keime

Man hört ja immer von gefährlichen, resistenten Krankenhauskeimen. Da haben Wissenschaftler genauer drauf geschaut und vermehrt Hinweise gefunden, dass immer mehr resistente Bakterienstämme von Nutztieren kommen. Man muss aber auch sagen, die genauen Übertragungswege sind noch nicht klar. Der gesunde Menschenverstand legt aber nahe, wenn ich gar nicht mit Fleisch von Puten und Hühnchen in Berührung komme, die nachweislich am stärksten mit resistenten Keimen belastet sind, dann ist das Risiko geringer, dass die auf mich übergehen. Denn vom rohen Fleisch breiten sich die Bakterien schnell aus, über Messer oder Schneidebretter etwa.


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