Gisela Mayer hat ihre Tochter verloren - beim Amoklauf am 11. März 2009 in Winnenden. Seitdem setzt sie sich für Prävention ein. Die Nachfrage danach ist groß, denn strukturell hat sich wenig geändert.

Nina war Referendarin für Religion, Kunst und Deutsch. Sie wurde vom Winnender Täter beim Amoklauf in der Albertville-Realschule getötet. "Ich kann mich noch sehr genau an den Tag damals erinnern", sagt Gisela Mayer. Insgesamt kamen 16 Menschen ums Leben, darunter auch der Täter. "Verstanden habe ich damals gar nichts." Dass ihre Tochter wirklich tot war - das konnte sie kaum akzeptieren. Nach der Tat hat sie sich zurückgezogen, in die Natur. Die Stille habe ihr geholfen. "Das war ein Weg mitten durch die Hölle", sagt sie. Irgendwann hat Gisela Mayer es geschafft, auf der anderen Seite anzukommen.

Die Vorstandsvorsitzende der "Stiftung gegen Gewalt an Schulen", Gisela Mayer spricht am 21.11.2014 in Winnenden (Baden-Württemberg) im Rahmen eines Pressegesprächs zum fünfjährigen Bestehen der Stiftung.
© dpa
Gisela Mayer

Zusammen mit anderen hat sie nach der Tat das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden gegründet, das wenig später in die "Stiftung gegen Gewalt an Schulen" überging. "Es war keine Naturkatastrophe, sondern eine Menschenkatastrophe. Deswegen können wir auch etwas tun, um aufzuklären und zu verhindern."

"Wir brauchen einen Weg der Vernunft."
Gisela Mayer

Die Stiftung arbeitet heute an Schulen - mit Schülern und Lehrern. "Die Sensibilität hat sich erhöht", sagt Gisela Mayer. Gerade bei den Schülerinnen und Schülern. "Es ist ihnen klar, dass es um sie geht. Sie sind die potenziellen Opfer." Es gibt Workshops gegen Mobbing, für Konfliktlösung oder zum Erkennen von Anzeichen. "Mittlerweile weiß man, dass es wahrscheinlich die leisen Menschen sind, die gefährlich werden können." Dabei geht es letztendlich um die Frage, wie wir miteinander umgehen - respektvoll und wertschätzend. Damit sich Taten wie in Winnenden nicht wiederholen. Dabei fehlt immer noch eine gesamtgesellschaftliche Lösung: "Wir debattieren nicht die wesentlichen Punkte", kritisiert Gisela Mayer. "Wir suchen nach einfachen Ursachen." Doch die gibt es nicht.

In Eine Stunde Talk erzählt Gisela Mayer, wie sie in den Alltag zurückgefunden hat, warum sie die Familie des Täters gerne getroffen hätte und wieso sie heute häufig mit einem Lächeln an Nina denkt.