Viele der Demonstranten in Hongkong vermummen sich, um nicht erkannt zu werden. Doch ihre Gegner veröffentlichen über öffentliche Telegram-Kanäle sensible Daten der Demoteilnehmer – und gefährden deren Sicherheit. Der lange Arm von Peking stelle eine Bedrohung für die Aktivisten dar, sagt Netzreporter Andi Noll.

Auf den Straßen Hongkongs bekämpfen sich Polizisten und Demonstranten weiterhin hartnäckig. Die Polizei setzt Wasserwerfer und Tränengas ein, einige der Aktivisten schmeißen Steine und Brandsätze in Richtung der Beamten. Viele Demonstranten wollen nicht erkannt werden, aus Angst vor dem chinesischen Regime. Sie kommunizieren über verschlüsselte Chats und tarnen sich auf den Demonstrationen. Am Ende gibt es aber Lücken – und die Gegner machen sich diese zunutze – durch sogenanntes "Doxxing".

"Da werden Informationen über Namen, Alter, Adresse, Familienstand – aber auch über Körpergröße oder andere persönliche Merkmale ausgetauscht."
Andreas Noll, Netzreporter

"Doxxing" kommt von "Document Dropping". Dabei werden sensible Informationen über Menschen veröffentlicht, wie Name, Familienstand oder die Adresse. Im Fall der Hongkong-Demonstranten verbreiten deren Gegner Infos der Demoteilnehmer über öffentliche Telegram-Kanäle. Ein beliebter Kanal trägt den Namen "Good Kids". Das Ziel: eine Datenbank über die Pro-Demokratie-Bewegung in Hongkong aufzubauen – und diese Infos mit der Führung der Volksrepublik China zu teilen. Das passiert über die Berichtsplattform des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit.

Infos über Recherche in sozialen Medien

Um sich die Informationen zu beschaffen, recherchieren die Demonstrationsgegner im Netz. Sie suchen auf anderen sozialen Kanälen wie Instagram nach Hinweisen auf die Identität von Demonstranten oder werten Onlinedienste aus. Es scheint, als ob dafür keine Ressourcen chinesischer Geheimdienste gebraucht werden. Doch Peking begleite das "Doxxing" der Demonstranten wohlwollend, sagt Dlf-Nova-Netzreporter Andi Noll.

"Es ist zu befürchten dass der lange Arm Pekings eine spätere Bedrohung für die Aktivisten darstellt."
Andreas Noll, Netzreporter

Die zunehmende Verbreitung privater Informationen soll die Demonstranten natürlich einschüchtern. Die Sicherheit der Aktivisten wird durch die Veröffentlichung ihrer Namen und Adressen stark beeinträchtigt. Enttarnte Demonstranten sehen sich schnell Hass und Bedrohungen ausgesetzt – in den sozialen Netzwerken, aber auch offline, in der realen Welt.

Rechtlich gesehen haben die Demonstranten aufgrund der unterschiedlichen Systeme von Hongkong und Festland-China nichts zu befürchten. Zumindest nicht im Moment. Doch der lange Arm von Peking bleibe natürlich eine dauerhafte Bedrohung, sagt Netzreporter Andi Noll.

Die Demonstranten wiederum wehren sich mit denselben Methoden. Über andere Telegram-Kanäle verbreiten sie ihrerseits persönliche Informationen über die Polizisten aus Hongkong. Das belastet wiederum die Polizisten – und deren Familien.