Lukas ist einer von rund 480.000 Jugendlichen in Deutschland, die einen kranken Angehörigen mitpflegen. Die sogenannten Young Carers müssen schon früh viel Verantwortung tragen.

Die sogenannten Young Carers sind zwischen 12 und 19 Jahren alt – Jugendliche, die sich um erkrankte Angehörige kümmern. Manchmal ist es ein Elternteil, der chronisch erkrankt ist oder ein Geschwisterkind. Lukas ist 16 Jahre alt und pflegt seinen Bruder Jonas mit, der an einer Nervenkrankheit leidet. Das tut Lukas immer dann, wenn seine Eltern mal keine Zeit haben. Wenn sein Bruder Jonas etwas trinken möchte oder zur Toilette muss, ruft er nach Lukas. Der hilft ihm dann.

Andere Jugendlichen sind völlig auf sich alleine gestellt, wenn beispielsweise die alleinerziehende Mutter krank wird. Außer ihnen ist dann niemand da, der beim Anziehen helfen, füttern, einkaufen oder auch beim Duschen helfen kann.

"Einige haben wirklich psychische Erkrankungen daraus und müssen das erstmal therapeutisch aufarbeiten - das sind schon krasse Auswirkungen."
Benjamin Salzmann, Initiative "echt unersetzlich" vom Diakonischen Werk Berlin
Lukas ist einer von rund 480.000 Young Carern in Deutschland.
© Deutschlandfunk Nova | Yannic Hannebohn
Der 16-jährige Lukas unterstützt seine Eltern dabei, seinen Bruder Jonas, der an einer Nervenkrankheit leidet, zu versorgen.

Lukas Eltern achten auch darauf, dass Lukas nicht überlastet wird durch die zusätzliche Verantwortung, die er für seinen Bruder hat. Das ist gut, weil im schlimmsten Fall eine Überbelastung von pflegenden Jugendlichen Schäden auslösen kann, die sie ihr ganzes Leben belasten. Mit der Initiative "echt unersetzlich" bietet das Diakonische Werk Berlin ein Hilfsangebot für Young Carer an.

Young Carer sind mit der Pflege von Angehörigen oft überlastet

Einer der Ansprechpartner ist Benjamin Salzmann, der im Monat bis zu vier Jugendliche unterstützt. Er hört sich ihre Sorgen an und beantwortet ihre Fragen. Oft versuchen die Jugendlichen geheim zu halten, dass sie einen Angehörigen pflegen. Manchmal schämen sie sich auch Dinge anzusprechen – beispielsweise, wenn es darum geht, dass sie den Eltern dabei helfen müssen, sich zu waschen.

"'Ich finde es eklig, meine Mutter untenrum zu waschen' oder so - darüber zu sprechen, ist dann wirklich ein großer Schritt für die Jugendlichen."
Benjamin Salzmann, Initiative "echt unersetzlich" vom Diakonischen Werk Berlin

Die Eltern von Lukas haben eine Einrichtung gefunden, die ihren Sohn unterstützt: In der Björn-Schulz-Stiftung trifft Lukas regelmäßig andere Jugendliche, die Geschwister haben, die lebensverkürzend erkrankt sind. Einmal pro Woche geht er mit der Gruppe zum Klettern, ab und zu machen sie Ausflüge. Die Betreuerinnen von der Stiftung arbeiten auch inhaltlich mit den Jugendlichen, um ihnen Hilfestellungen für ihren Alltag zu bieten. 

Familien mit Pflegefall haben Anspruch auf Hilfe

Die Stiftung stellt der Familie auch einen Helfer, um die Eltern und auch Lukas zu entlasten. Anspruch darauf haben alle Familien in Deutschland, die einen erkrankten Angehörigen Zuhause betreuen. Viele Jugendlichen, die alleine ihre Angehörigen betreuen, das aber niemanden anvertrauen, wissen gar nichts von diesem Anspruch.

"Die Jugendlichen erkennen sich selbst meistens gar nicht als Zielgruppe. Die Reflexion, dass jemand Pflegeverantwortung trägt, ist bei Betroffenen relativ gering, weil das einfach überhaupt kein Thema in der Öffentlichkeit ist."
Benjamin Salzmann, Initiative "echt unersetzlich" vom Diakonischen Werk Berlin

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