Youtube muss auf den Wunsch von Firmen reagieren, die ihre Werbung nicht in Videos von Hasspredigern sehen wollen. Die technische Umsetzung dessen ist schwierig.

Mehrere Marken hatten bei Youtube ihre Werbung entfernt, nachdem diese unter anderem bei Hasspredigern und Verschwörungstheoretikern gezeigt worden war.

Youtube hat nun reagiert - und deutlich am Algorithmus geschraubt, der regelt, wann wo welche Werbung geschaltet wird. Ein Youtube-Community-Betreuer schrieb dazu: "Wenn ihr in den nächsten Wochen Fluktuationen in euren Einnahmen seht, dann könnte das daran liegen, dass wir gerade unser Anzeigensystem feintunen." Dieser Hinweis richtet sich an die Youtuber, also die, die Videos hochladen und an der Werbung Geld verdienen, die vor oder in diesen Videos platziert wird.

Keine Werbung mehr bei Transgender-Aktivisten

Bei manchen Youtubern ist diese "Fluktuation" schon finanziell spürbar. Es gab zum Beispiel schon Beschwerden von Transgender-Aktivisten und Video-Produzenten, die Gewalt gegen Frauen thematisieren, dass ihre Videos keine Werbeeinblendung mehr bekommen - obwohl sie nicht gegen die Youtube-Guidelines verstoßen.

Youtube ist also anscheinend über das Ziel hinaus geschossen. Die Anpassung des Algorithmus sollte ja dafür sorgen, dass etwa Hassprediger und Radikale nicht mehr mit Werbung versorgt werden. Dass Transgender-Aktivisten in Sachen Werbung als solche eingestuft werden, "sei keine Absicht gewesen", sagt Youtube-Chefin Susan Wojcicki im Gespräch mit Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel.

Dilemma

Youtube ist jetzt in einer schwierigen Situation: Einerseits muss es kritisch sein mit der Entscheidung, wo Werbung ausgespielt wird, damit diese nicht mit kritischem Inhalt in Berührung kommt. Andererseits: Ist Youtube zu kritisch, kann es zu Kollateralschäden kommen - und Youtuber ihrer Finanzierung berauben, die weder Hassprediger noch Verschwörungstheoretiker sind.