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In einem alten Stollen gefangen zu sein, ist nur eine der vielen Geschichten, die Bell und Harry erleben. Und genau so heißt der Roman von Jane Gardam: "Bell und Harry". Das strengt nicht zu sehr an und passt perfekt zum Hängemattengefühl.

Bell hievt eine große Kalksteinplatte von einer Kuhle am Boden. Ein Loch kommt zum Vorschein. Und ehe Harry bis drei zählen kann, ist Bell darin verschwunden. Dann recken sich Harry Bells Arme entgegen. Der atmet einmal tief ein, hält die Luft an und folgt seinem Freund.

Drinnen sehen sie erst einmal gar nichts, zu dunkel. Und es riecht komisch. Wie Leichen. Weiter unten bei den Güterwagen ist es noch schlimmer. Aber bis dahin will Bell gar nicht gehen. Zu gefährlich und zu dunkel. Trotz Taschenlampe, die Bell mitgenommen hat und endlich einschaltet. Jetzt erkennt auch Harry, wo sie sind. In einem alten Stollen, der in zwei Richtungen führt.

Halsschmerzen vom Rufen

Bell kommt von hier und kennt viele Geschichten. Eine handelt davon, dass die Gegend komplett durchlöchert ist, vom Bergbau, von früher. Das ist bestimmt schon fünfzig Jahre her oder noch länger.

"Was war das?" Es kommt zu einer Verschiebung. Und Bell und Harry hängen plötzlich in dem stillgelegten Stollen fest. Stunden vergehen. Ein paar Tränen fließen. Irgendwann haben Bell und Harry Halsschmerzen vom Hilferufen, und taube Hände vom Krachmachen mit einer alten Schaufel, die sie gefunden haben. Und natürlich werden die beiden Freunde auf den letzten Drücker gerettet, vom Großvater, der mit mehreren Dorfbewohnern nach den Kindern gesucht hat.

Das ist nur eines von vielen Abenteuern, die die zwei Jungs erleben, und gewissermaßen auch überleben, eines von vielen in Jane Gardams Roman "Bell und Harry". Das Schöne ist: Egal wie brenzlig es wird, die Geschichten gehen immer irgendwie gut aus. Dabei sieht es am Anfang fast so aus, als würden sie sich gar nicht erst kennenlernen. Denn eigentlich gibt es da ein Problem…

Das Buch

"Bell und Harry" (OT: "The Hollow Land", 1981) von Jane Gardam, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Isabel Bogdan, erschienen bei Hanser Berlin, 188 Seiten. Hörbuch, ungekürzt, 4 CDs, gelesen von Jonas Minthe, Marion Martienzen und Muriel Bielenberg.

Die Autorin

Jane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire geboren und lebt heute in East Kent. Für ihr viel bewundertes schriftstellerisches Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Nach der Bestseller-Trilogie um Old Filth sowie dem Erzählungsband "Die Leute von Privilege Hill" erschien bei Hanser Berlin zuletzt ihr Roman "Weit weg von Verona" (2018).