Die Brüder Niko und Georg Nöhrer erklären im großen Weihnachtsinterview mit Markus Dichmann, wie sie als Yukno coolen Elektropop mit tiefen Gedanken verbinden.

Während man beim Sampeln in der Musikproduktion normalerweise fremde Tonaufnahmen verwertet, zeigen Yukno aus der österreichischen Steiermark: Das geht auch mit Inhalten, Gedanken und Konzepten. “Man kann auch Ideen, die in der Literatur da waren, die in der Kunst da waren, wiederverwerten und in einen neuen Kontext setzen”, sagt Niko, der ältere der beiden Nöhrer-Brüder. Das klingt nach Pop mit Anspruch, zumal Georg hinzufügt, die verbreitete Leichtgängigkeit wolle
man bewusst brechen “mit Texten, die fordernder sind oder die Themen aufmachen, die nicht so poppig sind.” Wer so denkt, reflektiert auch das Corona-Jahr 2020 besonders intensiv. Das aktuelle Yukno-Album spiegelt das bereits im Titel wieder. Es heißt “Im Stream der Zeit”.

Diese Vergänglichkeit ist in diesem Jahr so viel spürbarer geworden.
Georg Nöhrer vom Duo Yukno

Vieles steht dieser Tage infrage. “Irgendwie merkt man“, meint Niko, “da kann der Schalter umgekippt werden und alles ist anders und alles ist neu. Selbstverständlichkeiten, die man über Jahre hinweg einfach so als gegeben wahrgenommen hat – mit einem Fingerschnippen sind sie weg.”

Die Erfahrungen, die wir in der Pandemie machen, sind ohne Frage dazu geeignet, einen an die eigene Vergänglichkeit zu erinnern. Doch das Thema hat Yukno bereits lange vor Corona beschäftigt. Vanitas nennt man dieses Motiv vor allem in der bildenden Kunst. Hier haben Yukno Ideen-Sampling betrieben. Die Vergegenwärtigung des Todes sei in ihrer Musik schon immer ein zentrales Motiv gewesen, betont Georg. Corona hat das in gewisser Weise nur verstärkt. Die Erlebnisse der zurückliegenden Wochen und Monate haben “noch einmal ganz viel dazu beigetragen, dass das so ein thematisches Zentrum unseres Albums geworden ist.”

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Intensive Auseinandersetzung mit dem großen Thema unserer Tage – Yukno mögen dafür die Idealbesetzung sein. Dennoch macht auch ihnen die Situation nicht gerade Spaß. “Alles, was das Musikerdasein cool, lebenswert und erstrebenswert macht, das bricht uns schon sehr weg.” Doch Niko bleibt, trotz aller Vanitas, positiv und optimistisch: “Hoffen wir, dass es wieder besser wird, im nächsten Jahr.”