Die Zahl der gegen Zähneknirschen verschriebenen Beißschienen hat zugenommen. Die Deutschen sind halt ein verspanntes Volk. Könnte man meinen. Aber ganz so einfach ist das nicht.

Zähneknirschen ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass ihr verspannt seid. Und auch nicht Ausdruck der Strategie "Zähne zusammenbeißen und durchhalten!“. Es hat viel mehr Ursachen.

"Zähneknirschen ist etwas, was in jedem Lebensalter auftritt."

Man unterscheidet zwischen dem Bruxismus im Wachzustand und dem im Schlaf, erklärt Ingrid Peroz von der Charité Berlin. Jeder fünfte Deutsche knirsche mit den Zähnen, besonders häufig Kinder und Menschen im mittleren Lebensalter von 20 bis 40 Jahren. Im Alter nehme die Häufigkeit des Zähneknirschens dann aber ab.

Stress, Persönlichkeit, Bewegungs- oder Atmungsstörung

Beim Zähneknirschen tagsüber gehen Ärzte davon aus, dass es unter anderem stressbedingt geschieht. Es werde auch mit Persönlichkeitstypen in Zusammenhang gestellt, erklärt Peroz. Etwa mit ängstlichen oder mit perfektionistischen und ehrgeizigen Personen.

Beim Schlafbruxismus vermuten Ärzte eine schlafbezogene Bewegungsstörung oder eine Atmungsstörung. Das ist dann ein völlig eigenständiges Phänomen, das Zahnärzte zum Beispiel über eine Schiene gar nicht beeinflussen können.

Unter Bruxismus verstehen Mediziner nicht nur das Reiben, sondern auch das Pressen der Zähne aufeinander, erklärt Ingrid Peroz. Mit unangenehmen Auswirkungen: "Menschen mit Bruxismus haben ein vierfach höheres Kopfschmerz-Risko." Wer am Morgen mit Kopfschmerzen aufwache und merke, dass sich die Kiefer ganz steif anfühlen und sich der Mund kaum locker öffnen lasse, dann sei das ein recht sicheres Zeichen für Bruxismus, so Peroz.

Eine Beiß-Schiene schont die Zähne

Eine Schiene, einem Plastikteil, das über die Zähne gezogen wird, könne nicht das Zähneknirschen an sich verhindern, sondern lediglich die Folgen - also den Zahn-Abrieb.

Um das nächtliche Zähneknirschen zu reduzieren, sei eine gewisse Schlafhygiene gut geeignet, erklärt Peroz. Yoga könne helfen, Meditation vor dem Schlafengehen. Außerdem solltet ihr am Abend nicht übermäßig viel Alkohol oder Koffein zu euch nehmen. Und natürlich: rechtzeitig ins Bett gehen und davor vielleicht noch mal raus an die frische Luft.

"Beim Bruxismus tagsüber hilft die Selbstbeobachtung."

Das Zähneknirschen am Tag ist ja unserem Bewusstsein zugänglich. Außer beim Kauen haben die Zähne nichts aufeinander verloren. Stellt man das trotzdem fest, können Atemübungen und autogenes Training helfen, eine Entspannungshaltung des Kiefers herbeizuführen.

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