Aus gezähmten Wölfen hat sich über die Jahrhunderte der Haushund entwickelt. Dass man auch Füchse zähmen kann, hat ein Forscherteam aus Sibirien über einen Zeitraum von 60 Jahren bewiesen.

Am Anfang stand die Frage, wie aus einem wilden Wolf ein zahmes Haustier werden konnte. Anfang der 1950er-Jahre entschloss sich der russische Biologe Dmitri Beljajew das Experiment zu wagen, um herauszufinden, welche biologischen Mechanismen bei der Zähmung greifen. Dabei mussten die Wissenschaftler sehr vorsichtig und unter dem Vorwand vorgehen, dass sie die Pelzstruktur der Füchse verbessern wollten. Denn Genforschung war damals in der Sowjetunion verboten. Deswegen startete das Experiment im Jahr 1953 auf einer Pelzfarm in Akademgorodok, einem kleinen Dorf bei Nowosibirsk.

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Die anfänglichen Zuchtversuche brachten keinen sichtbaren Erfolg. Die Biologin Ludmila Trut sah sich mit aggressiv wirkenden Silberfüchsen konfrontiert, die knurrten und die Zähne fletschten, wenn sie sich dem Käfig näherte. Aber schon vier Generationen und zehn Jahre später, geschah etwas Erstaunliches, womit die Biologin nicht gerechnet hatte. Von einem Tag auf den anderen begrüßte ein männliches Jungtier die Forscherin schwanzwedelnd. So begrüßen sich Füchse untereinander, aber in der Regel machen sie das nicht bei Menschen. 

Nur die zutraulichsten Füchse verpaaren

Das bestätigte die russischen Forscher darin, bei der Züchtung nach einem einfachen Prinzip zu verfahren: Gezüchtet wurde auf das subjektive Merkmal Freundlichkeit gegenüber dem Menschen. Das heißt, nur die zahmsten und zutraulichsten Füchse jeder Generation durften sich verpaaren.

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Jede weitere Generation brachte auch weitere Eigenschaften, die auch Hunde zeigen, mit sich: Die jungen Füchse leckten die Hände der Betreuer und sie rollten sich auf den Rücken, um sich am Bauch kraulen zu lassen. Das ist ein großer Vertrauensbeweis, weil der Bauch die verletzlichste Stelle eines Fuchses ist. Und selbst erwachsene Füchse zeigten auf einmal ein Spielverhalten. 

"Einige Füchse sind mittlerweile sogar so ruhig und zahm wie Schoßhunde.​"
Mario Ludwig, Biologe

Die Füchse duldeten sogar, dass Menschen ihnen direkt in die Augen sahen. Das mögen wilde Tiere und sogar Hunde überhaupt nicht. Ein direkter Blick gilt als Herausforderung, die Aggression nach sich zieht. 

Züchtung von Füchsen verändert ihr Aussehen

Obwohl die Füchse auf der Pelzfarm schon lange in Gefangenschaft lebten und Menschen kannten, hatten sie ihre Scheu vor ihnen nie verloren. Erst, nachdem die Freundlichkeit gegenüber dem Menschen zum wichtigsten Auswahlkriterium geworden war, verloren die Tiere diese Scheu. In der zehnten Generation nach etwa 25 Jahren kam es dann auch zu äußerlichen Veränderungen. 

Füchse bekommen Schlappohren

Die Füchse bekamen Schlappohren, der Schwanz war nicht mehr so gerade und die Schnauze wurde kürzer. Viele Füchse bekamen auch ein geflecktes Fell oder einen hellen Stern auf der Stirn. Das sind alles Merkmale, die auch bei der Domestikation von Wölfen, wilden Pferden und wilden Schweinen aufgetreten sind. 

Ein zahmer Fuchs macht ein Kunststück.
© imago/ITAR-TASS
Yevgeny Mikhin kaufte den Silberfuchs namens Eblis beim sibirischen Institut für Zytologie und Genetik.

Fuchs als Haustier finanziert Forschung

Die werden als Haustiere nach Westeuropa und Nordamerika vermittelt – für 5000 US-Dollar das Stück. In den vergangenen fünf Jahren sind nach Aussagen der Wissenschaftler mehrere Dutzend Tiere vermittelt worden. Der dabei erzielte Gewinn fließt wieder in die Forschung. Die vermittelten Füchse sind allerdings nicht stubenrein oder anderweitig erzogen. Dafür müssen die neuen Besitzer selbst sorgen.

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