Im französischen Château-Chinon ist ein Mann bekannt geworden als Horror-Zahnarzt und Zahnarzt-Metzger. Weil er sich diese Namen blutig verdient hat, muss er für acht Jahre ins Gefängnis. Wer Bammel vorm Zahnarzt hat, sollte jetzt besser nicht weiterlesen. Das ist Stoff für Zahnarztalbträume.

Mehr als 100 Patienten klagten gegen den Zahnarzt in der kleinen Gemeinde Château-Chinon: Der 51-Jährige aus den Niederlanden zog unnötigerweise gleich acht Zähne auf einmal, ließ seine Patienten mitten in der Behandlung betäubt zurück, um einen Happen zu essen. Eine Patientin berichtet, der Mann habe ihr die Nerven gesunder Zähne abgetötet. Er habe unnötige und schmerzhafte Eingriffe unternommen, um Kohle von der Krankenversicherung zu kassieren.

"Patienten haben sich darüber beschwert, dass er ihnen zum Teil Zahnfleisch an die Wange angenäht und Kiefer durchbohrt hat. Das sind wirklich Horrorgeschichten."
Kerstin Gallmeyer, Korrespondentin in Frankreich

Zwischen 2008 und 2012 war der Zahnarzt aktiv und soll dabei mehr als 100 Patienten regelrecht verstümmelt haben. Aufgeflogen sind seine Machenschaften dann über die Abrechnungen: Über Jahre hat er deutlich mehr Behandlungen abgerechnet, als er tatsächlich durchgeführt hatte. Das fiel seinen Patienten auf, sie taten sich zusammen, so ist die Staatsanwaltschaft aktiv geworden. Daraufhin hat sich der Arzt erst mal nach Kanada abgesetzt.

Der Arzt hat seine Patienten abhängig gemacht

Der Arzt konnte vier Jahre lang recht unbehelligt werkeln: In Château-Chinon herrschte notorischer Ärztemangel, für einen Zahnarzttermin mussten die Bürger bis zu drei Wochen warten und 20 Kilometer in den nächsten Ort fahren. Als dann ihr neuer Arzt ankam - angeworben über einen Headhunter - wurde er wie ein Retter gefeiert. "Da hat es dieser charismatische Mann geschafft, seine Patienten von sich abhängig zu machen", sagt unsere Frankreich-Korrespondentin Kerstin Gallmeyer, "auch psychisch."

Gefängnis für acht Jahre und Berufsverbot

Für seine überflüssigen Eingriffe muss der Zahnarzt nun für acht Jahre ins Gefängnis. Das Strafgericht in Nevers verhängte außerdem eine Geldstrafe in Höhe von 10.500 Euro und ein lebenslanges Berufsverbot. Die Staatsanwältin hatte ihm zuvor noch Habgier vor geworgen, Gleichgültigkeit gegenüber anderen sowie Freude daran, Leid zuzufügen.