Leiden an der modernen Arbeitswelt, Stress, zu wenig Zeit – diese als modern geltenden Phänomene werden auch in älterer Literatur schon beschrieben. Überhaupt ist darin die Zeit sowohl ein wichtiges Erzählmittel als auch Thema, über das erzählt wird.

Schon in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren die Menschen Stress ausgesetzt. Veranschaulichen würde das zum Beispiel die Fernsehserie "Babylon Berlin", "in der alle immer nur durchs Bild laufen", wie die Literaturwissenschaftlerin Alexandra Pontzen sagt.

Auch Kurt Tucholsky hat die Zeit als Stilmittel schon verwendet. In seinem Gedicht "Augen in der Großstadt" arbeite er mit abgehackten Formen von Kurzeindrücken, die nicht mehr verbunden würden. So entstehe der Eindruck von "Wimpernschlägen", die – kaum erfolgt – schon wieder vergangen seien.

Erzählzeit und erzählte Zeit

Andere literarische Verfahren sind bekannter, etwa die Unterschiedlichkeit von Erzählzeit und erzählter Zeit. Erzählzeit ist die Periode, in der ein Buch gelesen oder ein Theaterstück aufgeführt wird, obwohl dessen Inhalt – also die erzählte Zeit – sich über Jahre erstrecken kann.

Laut Alexandra Pontzen befassen sich viele mediale und literarische Werke mit dem Thema Zeit.

Alexandra Pontzen ist Germanistin, Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin an der Universität Duisburg-Essen. Ihr Vortrag steht unter dem Titel "Augenblick und Ewigkeit: Gefühlte Be- und Entschleunigung in der schönen Literatur".

Die Universitätsklinik Bochum für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hat am 5. und 6. November 2021 zu einem Symposium unter dem Titel "Beschleunigung und Entschleunigung – 'Immer schneller, immer höher, immer weiter' war gestern" eingeladen.