Zur Langeweile gehören Unlust und spürbare Sinnlosigkeit. Eine Philosophin unterscheidet zwischen drei Formen von Langeweile und gibt der Empfindung einen Sinn.

Menschen, die wegen Covid-19 gerade in Quarantäne und nur leicht oder nicht erkrankt sind, beklagen sich offen über Langeweile.

Langeweile ist Zeitempfinden

Rita Molzberger beschäftigt sich an der Universität Köln mit Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne. Sie sagt, dass typischerweise bei Langeweile die gemessene und empfundene Zeit auseinandertreten. Hinzu komme ein Gefühl der Unlust oder Sinnlosigkeit.

"Wir kennen das fast alle aus der Schule. Wir gucken gefühlt um halb eins auf die Uhr, denken: Gleich muss es vorbei sein. Und dann ist es erst neun."
Rita Molzberger, Humanwissenschaftliche Fakultät Universität Köln

Langeweile hört für sie da auf, wo diese Zeitspanne einen Sinn bekommt. Dann wird diese Zeit genau genommen zur Muße.

"Wir müssen die Lebenszeit selbst mit Sinn füllen. Das tut kein Instinkt oder irgendein Entwicklungsprogramm für uns. Und wir wissen, dass unsere Lebenszeit endlich ist."
Rita Molzberger, Humanwissenschaftliche Fakultät Universität Köln

Rita Molzberger unterteilt in drei Formen von Langeweile: situative Langeweile, Monotonie und existenzielle Langeweile.

  • Situative Langeweile geht schnell vorbei. Sie tritt beispielsweise beim Warten auf die Bahn auf. Kleine zerstreuende Handlungen – der Blick aufs Handy beispielsweise – lösen sie schon auf.
  • Monotonie kann sich beispielsweise bei der Arbeit einstellen. Sie lässt sich nur durch eine grundsätzliche Änderung der Arbeits- beziehungsweise Lebenssituation beseitigen.
  • Bei existenzieller, tiefer Langeweile, gibt es hingegen kaum ein Hilfsmittel.
"Paradoxerweise sind diese Momente dann eigentlich wertvoll, denn dann kann was Kreatives folgen. Dann können wir uns Gedanken machen, wie wir damit umgehen wollen und Neues erfinden."
Rita Molzberger, Humanwissenschaftliche Fakultät Universität Köln

Rita Molzberger ist überzeugt davon, dass bereits der bewusste Umgang mit Langeweile die nächste langweilige Situation verändert. Tatsächlich kann Langeweile einem kreativen Moment vorausgehen – sie muss es aber nicht. Da gebe es keinen zwingenden Zusammenhang.

"Nicht aus jeder existenziellen, langweiligen Situation entspringt ein Kunstwerk. Aber wir brauchen Zeiten der Sinnleere, in denen wir uns auf uns selbst besinnen müssen."
Rita Molzberger, Humanwissenschaftliche Fakultät Universität Köln