Manchmal rast die Zeit, manchmal scheint sie kaum zu vergehen. Der Psychologe Marc Wittmann erforscht unser Zeitempfinden. Er sagt: Je mehr wir erleben, desto langsamer vergeht die Zeit für uns.

Eine Minute hat 60 Sekunden, eine Stunde 60 Minuten. Doch manchmal kommt es uns so vor, als seinen diese Fakten außer Kraft gesetzt. Während der Corona-Pandemie beispielsweise scheint die Zeit für viele anders zu verlaufen: Für manche schneller, für andere langsamer - so zumindest das Ergebnis einer britische Studie, die das Zeitempfinden von rund 600 Menschen in Großbritannien während des Lockdowns im April 2020 untersucht hat.

"Rückblickend verschwindet dann unser Zeitgefühl."
Marc Wittmann ist Zeitpsychologe

Woran liegt das? Marc Wittmann ist Zeitpsychologe, Zeitforscher und Autor zahlreicher Bücher zum Thema. Er erklärt: Wenn alle Tage plötzlich ähnlich verlaufen, zu einer Art Einheitsbrei werden und sich nicht mehr richtig unterscheiden, dann kommt es uns rückblickend so vor, als sei die Zeit "relativ schneller vergangen". Diese Effekte seien unabhängig von Alter oder Geschlecht, sagt der Zeitpsychologe.

"Wenn wir abgelenkt sind von der Zeit, weil wir gerade etwas Spannendes machen, dann achten wir nicht auf die Zeit, und die Zeit vergeht sehr viel schneller."
Marc Wittmann ist Zeitpsychologe

Und er beschreibt eine Situation, die wir wohl alle gut kennen: Wenn wir warten müssen, wenn wir etwas tun müssen, das uns nicht gefällt und quasi innerlich die Minuten zählen, dann vergeht die Zeit für uns in diesem Moment recht langsam. "Die typische Wartezeitsituation" nennt Marc Wittmann das. Wenn wir dagegen mit einer tollen Sache beschäftigt sind und nicht auf die Zeit achten, vergeht sie wie im Flug - jedenfalls meinen wir das.

"Gedächtnisinhalte sind das, was unsere Zeitdauer subjektiv dehnt."
Marc Wittmann ist Zeitpsychologe

Dass manche meinen, im Alter vergehe die Zeit schneller, liegt nicht am Alter an sich, sondern vielmehr an den Lebensumständen, in denen man sich befindet, meint der Zeitpsychologe. Es liege an der "zunehmenden Routine, die wir im Lauf unseres Lebens entwickeln".

"Schon wieder Weihnachten!"

In der Kinheit und Jugend ist alles neu, erklärt er, wir erleben vieles zum ersten Mal und müssen das verarbeiten. So vieles bleibt im Gedächtis hängen, das "dehnt" die Zeit. Später, wenn wir älter werden, bleiben wir am selben Ort, erleben weniger neue Dinge, sind vielleicht auch weniger emotional, haben einen Job, eine Famile und stecken in Routinen. So komme es, das manche denken. "Ups, schon wieder Weihnachten!" Schon wieder ist ein Jahr vergangen.