Till Brockmann ist Filmwissenschaftler an der Universität Zürich und forscht im Bereich der Zeitlupe. Darüber hat er jetzt auch ein Buch geschrieben. Er sagt: "Langsamkeit ist Wichtigkeit".

Zeitlupe im Film, das ist zunächst ein riesen Feld. Von der technischen Realisation über die filmhistorische Entwicklung bis hin zum narrativen Einsatz im Film - Till Brockmanns Werk, ist die erste Arbeit, die sich umfassend mit der Zeitlupe beschäftigt. Über zehn Forschungsjahre waren bis zur Fertigstellung des Buches nötig:

"Ich habe gemerkt, dass es kein Buch darüber gab, obwohl es ein Stilmittel ist, das extrem häufig vorkommt."
Till Brockmann, Filmwissenschaftler an der Universität Zürich

Und wer hat‘s erfunden?

Wer, was, wann zum ersten Mal im Film gemacht hat - solche Fragen sind normalerweise schwierig zu beantworten, bei der Zeitlupe aber ist das recht einfach, so Brockmann: "Die Zeitlupe ist erfunden worden in dem Moment, wo der Film erfunden wurde."

"In der Anfangszeit war jeder Film im Kino in leichter Zeitlupe oder Zeitraffer"
Till Brockmann, Filmwissenschaftler an der Universität Zürich

Der Grund ist, dass Filme früher von Hand vorgeführt wurden und ein gleichbleibendes Tempo beim Drehen des Filmprojektors durch den Vorführer unmöglich war. Eine Anleitung aus dem Jahr 1911 ermutigt den Vorführer sogar zur eigenen Interpretation des Films durch schnelleres oder langsameres Drehen am Projektor.

"Die Ur-Funktion der Zeitlupe ist, dass man etwas sichtbar macht, was nicht sichtbar ist“, so Bockmann, "dann hat man aber gemerkt, dass es auf das Publikum wirkt und auch narrativ bedeutsam ist."

Langsamkeit ist Wichtigkeit

Ab den 90er-Jahren wurde die Zeitlupe dann vehement in Filmen eingesetzt, besonders in Actionfilmen bei Explosionen oder bei Verfolgungsjagden. Die Zeitlupe wird aber auch in Liebensfilmen verwendet, um den Szenen mehr Pathos zu verleihen.

"Wir sind es auch bei vielen Ritualen gewöhnt, das wichtige Sachen langsam sind, zum Beispiel, wenn jemanden eine Krone aufgesetzt wird oder jemand zum Altar geht.“
Till Brockmann, Filmwissenschaftler an der Universität Zürich