Viele reden von Entschleunigung, dabei geht es nach Meinung der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin Lucia A.Reisch nicht um schneller oder langsamer, sondern um die angemessene Geschwindigkeit.

Zeit kann ganz unterschiedliche Dimensionen haben. Zum Beispiel bildet sie den Rahmen für Veränderungen: Entwicklungsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft brauchen ebenso wie technologische Innovationen eine bestimmte Menge an Zeit. Klingt banal. Doch die Frage nach dem richtigen Maß dieses Zeitrahmens birgt richtigen Zündstoff: Wie schnell muss oder darf ein Gesetz formuliert und verabschiedet werden? Oder: Wie schnell sollte diese oder jene Innovationen auf den Markt kommen?

"Schnell ist nicht immer besser, auch langsamer ist nicht immer besser, sondern es geht um angemessene Geschwindigkeit."
Lucia A. Reisch, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin

Für jeden einzelnen von uns ist Zeit aber auch eine ganz persönliche Ressource. Wie viel Zeit wir haben und wie wir sie verwenden, hat großen Einfluss auf unsere Zufriedenheit, unserer Gesundheit oder auch auf unseren Wohlstand. Wie wir unsere Zeit verwenden, wird aber auch von außen, vom Arbeitgeber etwa oder von Gesetzen bestimmt. Immer lauter wird mehr "Zeitwohlstand" gefordert, die selbstbestimmte Einteilung von Zeit, und langsam erreicht diese Forderung auch die Politik.

"Eine Gesellschaft ist besser aufgestellt, wenn sie auch was die Zeitdimensionen angeht vielfältig ist."
Lucia A. Reisch, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin

"Zeitpolitik als Nachhaltigkeitspolitik: Innovative Elemente und mögliche Anwendungen" lautete der Titel des Vortrags von Lucia Reisch, den sie am 18. Dezember 2014 auf Einladung der Akademie der Wissenschaften in Hamburg im Rahmen der Akademievorlesungen 2014/2015 "Auf dem Weg in eine zeitachtsame Gesellschaft? Gelebte Zeit und gezählte Zeit" gehalten hat.

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