Jeden Morgen extrem früh raus, bei Wind und Wetter, Zeitungen austragen. Das macht man nicht, weil man Spaß daran hat - sondern weil man Geld verdienen muss. Dabei bekommen die Zusteller noch nicht einmal den Mindestlohn von 8,50 Euro.

Der Mindestlohn gilt seit 1. Januar 2015 für alle Beschäftigten. Wirklich für alle Beschäftigten? Nein, eben nicht. Es gibt Ausnahmen. Und zu diesen Ausnahmen gehören auch die Zeitungszusteller. Zeitungszusteller sind nämlich so wichtig für die Demokratie - besser gesagt für die Pressefreiheit - dass sie keinen Mindestlohn bekommen. Klingt irgendwie krude, ist aber so.

Unter sieben Euro die Stunde

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) argumentiert nämlich, die Zustellung von Zeitungen werde in manchen Regionen schlicht zu teuer, würde man dort den regulären Mindestlohn zahlen. Darum bekommen die Austräger weniger - nur 75 Prozent des Mindestlohns. Erst schrittweise soll sich ihr Lohn auf 8,50 Euro zubewegen, bis 2017.

Weniger Abos, weniger Geld

Daniel Hirschi ist selbst Zusteller und findet das nicht in Ordnung. Jeden Morgen dreht er joggend seine Runde und trägt Zeitungen aus. "Mir tut das im Moment noch körperlich gut, den Job zu machen. Aber ich merke, dass das nicht immer so sein wird", sagt er. Weil die Zeitungszusteller gegenüber dem BDZV kaum eine Lobby haben, befürchtet er auch, dass der reguläre Mindestlohn in seiner Branche noch weiter aufgeschoben wird.

"Wir werden große Schwierigkeiten haben, die eigenen Kollegen weiter zu mobilisieren und zu sagen: Bleibt am Ball! Das führt im Endeffekt dazu, dass wir kein wirkliches Druckmittel dagegen haben, wenn der BDZV doch nochmal nachlegt."
​Daniel Hirschi, Zeitungszusteller

Natürlich haben die Zeitungsverlage noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: den sinkenden Abonnentenzahlen. Die alten Geschäftsmodelle funktionieren für viele Zeitungsverlage nicht mehr. Darin sieht Daniel Hirschi aber kein Problem. Er glaubt, dass er auch mit weniger Abos noch genug zu tun haben wird. Alles weitere bleibt abzuwarten. Und so geht er auch morgen wieder raus, zu seiner joggenden Zustelltour.

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