Hier wird Armut sichtbar: In Berlin und anderen Städten machen sich die Zeltstädte wieder Platz. Wohnungslose tun sich dort zusammen. Regelmäßig werden die Zeltstädte von der Polizei geräumt.

Die Zelte stehen im Park, an Bahngleisen oder auch mitten im Regierungsviertel: Obdachlose und Migranten wohnen dort. Sie schlagen ihre Zelte gemeinsam auf, richten sich häuslich ein, so gut sie eben können.

Nicht alleine sein

Dabei sind viele Wohnungslose, die schon lange auf der Straße leben, Eremiten. Sie isolieren sich regelrecht, sagt Ortrud Wohlwend von der Berliner Stadtmission. Die Leute, die sich in Zeltstädten zusammen tun, sind meist Gruppen, die sich gegenseitig unterstützen und Zeltstädte aufbauen, um einander zu haben.

"Ich glaube, es ist ein ganz menschliches Bedürfnis, sich ein Zuhause zu schaffen. Und diese Zelte sind ein Phänomen, das wir im Grunde seit etwa eineinhalb Jahren so beobachten."
Ortrud Wohlwend, Berliner Stadtmission

Jeden Cent sparen

Viele Bewohner der Zeltstädte kommen aus Osteuropa. Manche arbeiten hier oder sind auf der Suche nach Arbeit. In den Zelten wohnen sie dann, um einfach jeden Cent zu sparen, erklärt Ortrud Wohlwend. Eine Zeltstadt, das muss nicht eine riesige Ansammlung von Zelten sein - manchmal tun sich auch nur drei oder zehn Leute zusammen, je nachdem, wie öffentlich der Platz ist.

"Die Plätze werden immer wieder geräumt von der Polizei, die aber mehr oder weniger hilflos ist."
Ortrud Wohlwend, Berliner Stadtmission

Mit der Hygiene fängt es an

Die Stadtmission hilft den Wohnungslosen in den Zeltstädten, geht zu ihnen, spricht mit ihnen und versucht, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, erzählt Ortrud Wohlwend. Die Mitarbeiter bieten den Obdachlosen einen Platz zum Duschen, das sei ganz wichtig: "Mit Hygiene fängt die Menschenwürde an", sagt sie. "Es ist wirklich so, dass die Menschen sehr gebückt rein kommen, durch die Last ihrer Sorgen, und manchmal viel aufrechter raus gehen - alleine nur, weil sie sich frisch und gut angezogen fühlen."