Wir werden gerade gezählt. Bis Mitte August läuft der Zensus noch. Rund 10,3 Millionen in Menschen haben dafür vom Statistischen Bundesamt Post bekommen. Die Teilnahme ist Pflicht und soll dem Bund und den Kommunen helfen, besser zu planen.

In den Innenstädte oder an Bahnhöfe weisen gerade etliche Plakate auf den Zensus hin. Der Zensus ist die Volkszählung in Deutschland, die das Statistische Bundesamt durchführt. Vom 15. Mai bis Mitte August müssen rund 10,3 Millionen Menschen daran teilnehmen. Sie sollen zehn Prozent der meldepflichtigen Menschen in Deutschland repräsentieren.

Mit Daten besser planen

Mit der Befragung möchte das Statistische Bundesamt beispielsweise herausfinden, wie viele Menschen in einer Stadt beziehungsweise einer Gemeinde leben, wie alt sie sind, welches Geschlecht und welchen Bildungsstand sie haben oder auch, wie weit ihr Weg zur Arbeit ist.

Kitas, Altenheime, Wohnungsmarkt

Es geht darum, Daten zu sammeln, die für die Planung von Kommunen relevant sind – damit zum Beispiel Kitas und Altenheime gebaut werden oder auch das Verkehrsnetz angepasst wird. Auf dieser Basis verteilt der Bund Gelder an die einzelnen Kommunen, mit denen sie für die kommenden zehn Jahre bis zur nächsten Zählung haushalten sollen. "Es ist wichtig, dass die Daten richtig sind, damit wir als Stadt das entsprechende Geld zur Verfügung gestellt bekommen, damit wir handlungsfähig sind", erklärt Eileen O'Sullivan von der Stadt Frankfurt.

Neu ist, dass die aktuelle Zählung auch den Wohnungsmarkt abbilden soll. Dafür sind alle Menschen, die in Deutschland Wohneigentum besitzen, dazu verpflichtet, am Zensus teilzunehmen. Sie sollen zum Beispiel angeben, wie viel Miete sie nehmen oder warum eine Wohnung leer steht.

Brief mit Info über Teilnahme

Wer an der Befragung teilnehmen soll, den hat das Statistische Bundesamt per Post angeschrieben. "Die Aufforderungen zum Zensus werden nicht per E-Mail verschickt. Wenn du da irgendwas bekommen hast, wo so was behauptet wird, dann ist das ein Fake. Da solltest du auf keinen Fall auf irgendwelche Links klicken", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt.

In dem Brief ist ein Termin aufgeführt, wann eine beauftragte Person für ein rund 15-minütiges Interview zu Hause vorbeikommt. Rund drei Viertel der Befragten sind zusätzlich noch dazu aufgefordert, einen Online-Fragebogen auszufüllen, in dem mehr darüber abgefragt wird, was für eine Ausbildung die Befragten haben, wie sie wohnen oder welcher Nationalität sie angehören.

Teilnahme ist Pflicht

Die Teilnahme am Zensus ist Pflicht. Wer sie verweigert, dem droht ein Bußgeld von mindestens 300 Euro. Das Statistische Bundesamt beruft sich hier auf das Zensusgesetz. Darin sind beispielsweise auch Vorgaben zum Datenschutz festgehalten, die unter anderem vorsehen, dass die Angaben der Befragten anonym an das Statistische Bundesamt weitergeleitet werden und auch dort bleiben, also nicht bei anderen Behörden landen etwa.

"Es werden auch übrigens keine Daten erfasst etwa zum Impfstatus, zur Religionszugehörigkeit oder zum Einkommen. Solche Ängste werden teilweise auch geschürt, sind aber Fake News", erklärt Krissy Mockenhaupt.

"Die Daten, die wir für die Statistik einsammeln, bleiben in der Statistik. Es gibt keine Möglichkeit, dass wir Daten an andere Behörden geben müssen auf Einzelpersonenebene."
Stefan Dittrich, Statistisches Bundesamt

Die Zählung findet eigentlich alle zehn Jahre statt, wurde 2021 aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. Die Ergebnisse sollen Ende 2023 veröffentlich werden.