Immer wieder erreichen uns Meldungen von Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrinken. Was aber passiert mit ihren Leichen? Die Aktivisten vom Zentrum für politische Schönheit möchten sie nach Deutschland holen. Heute wurde angeblich die erste Tote in Berlin beerdigt.

"Europas Grenzen sind die tödlichsten Grenzen der Welt", sagt Justus Lenz vom Zentrum für politische Schönheit. Die Aktivistengruppe möchte auf die prekäre Lage der Flüchtlinge an den europäischen Grenzen aufmerksam machen - mit Hilfe von Aktionskunst.

"Die Toten kommen" heißt das aktuelle Projekt des ZPS. Leichen von Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrunken sind, sollen nach Deutschland gebracht und hier beerdigt werden. "Wir geben den Menschen die Würde zurück, die ihnen an der europäischen Außengrenze genommen wurde", so Justus Lenz.

"Europa hat die tödlichsten Grenzen der Welt. Die Opfer bringen wir jetzt nach Berlin, ins Regierungsviertel. Wir wollen den Fall der europäischen Mauer."
Justus Lenz vom Zentrum für politische Schönheit über die Aktion "Die Toten kommen"

Heute haben die Aktivisten die erste Leiche auf einem Berliner Friedhof beerdigt. Bei der Toten soll es sich um eine Frau aus Syrien handeln. Ursprünglich hatte das ZPS angekündigt, auch ihr zweijähriges Kind zu beerdigen. Ob wirklich eine echte Leiche zu Grabe getragen wurden, bleibt offen.

Falls dies nicht der Fall war, handelt es sich allerdings um eine ziemliche perfekte Inszenierung. In Schaum oder Haase erklärte ZPS-Aktivist Justus Lenz das Prozedere der Überführung: "Mit der Einwilligung der Angehörigen wurden die Gräber geöffnet, die Leichen exhumiert und nach Deutschland gebracht." Transport und Bestattung einer Leiche kosten laut Lenz etwa 14.000 bis 15.000 Euro. Das Geld haben er und seine Mitaktivisten über eine Crowdfunding-Kampagne gesammelt.

Auf Twitter gibt es Bilder von der Beerdigung: eine muslimische Bestattung. Auf einem Podest waren einige Stühle aufgebaut, versehen mit Namen von Politikern, etwa der Bundeskanzlerin und des Innenministers. Die Stühle blieben während der Beerdigung demonstrativ leer. Für kommenden Sonntag hat das ZPS eine weitere Aktion angekündigt: Die Aktivisten wollen die Grundsteine für einen Flüchtlingsfriedhof legen - direkt vor dem Bundeskanzleramt.

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