Am 1. Juli 2020 hat Severin Dressen seinen neuen Job als Direktor des Zoos Zürich angetreten. Nur ein paar Tage später wurde eine Tierpflegerin von einer Tigerin attackiert. Kein einfacher Start.

Was genau am Samstag, dem 4. Juli, passiert ist, ist noch nicht ganz klar. Zurzeit ermittelt noch die Staatsanwaltschaft. Sicher ist: Die Tierpflegerin und die Tigerin waren im selben Areal. "Das darf eigentlich nicht sein", sagt Dressen. Nur so konnte die Attacke überhaupt stattfinden. "Die Tigerin hat sich ganz normal verhalten. Jedes Tier sieht sein Gehege als sein Areal an." Die Tierpflegerin überlebt die Attacke nicht.

"Eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es nicht."
Severin Dressen, Direktor Zoo Zürich

Der Zoo bleibt aus Pietätsgründen am Tag darauf geschlossen und Dressen muss als neuer Chef eine schwierige Situation bewältigen. In den Tagen nach der Attacke kommen mehrere Schreiben beim Zoo an. Darin wird der Zoo aufgefordert, der Tigerin nichts zu tun. "Dabei haben wir die Frage, ob der Tigerin etwas passieren soll, intern nicht mal ernsthaft diskutiert. Das würde ja eine Schuld des Tieres voraussetzen", sagt Dressen.

Seit April war Dressen bereits im Zoo in Zürich, um mit seinem Vorgänger die Übergabe zu organisieren. Er hatte sich zuvor im Bewerbungsverfahren gegen rund 160 Bewerber und Bewerberinnen durchgesetzt. Die ersten Monate hat Dressen vor allem genutzt, um den Zoo genau kennenzulernen: von Lewa-Savanne über den Masoala-Regenwald bis hin zum Kaeng Krachan Elefantenpark. Einen Lieblingsort will Dressen nicht nennen. Aber auf seinen offiziellen Bildern des Zoos zeigt er sich mit der Aldabra-Riesenschildkröte. (Bild oben)

"Ein Löwe braucht nicht die Fläche der Serengeti, um seine Bedürfnisse zu stillen."
Severin Dressen, Direktor Zoo Zürich

Für Dressen war schon lange klar, dass der Zoo für ihn der richtige Arbeitsplatz ist. Er hat unter anderem in Argentinien und auf Teneriffa bei Naturschutzprojekten gearbeitet, in Berlin und London studiert und war zuletzt stellvertretender Direktor des Zoos in Wuppertal.

Im Deep Talk erzählt Severin Dressen, ob man Zoos heutzutage noch braucht, was ihn an der Arbeit reizt und welches Tier er gerne mal wäre.