Wenn Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen überspringen, wie im Fall des neuen Coronavirus, dann spricht man von Zoonosen. Forschende haben jetzt herausgefunden, dass die Ausbreitung des Menschen in der Natur diese Krankheiten begünstigt.

Forschende aus London haben mehr als 180 Studien analysiert, die untersucht haben, was passiert, wenn der Mensch unberührte Natur in Agrarflächen oder Stadtgebiete verwandelt. Dabei wurden über 1000 Gebiete auf der ganzen Welt betrachtet. Das Ergebnis der Forschenden: Breitet sich der Mensch aus, breiten sich auch die Erreger aus. Ihre Studie veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift Nature.

"Breitet sich der Mensch aus, breiten sich auch Erreger aus."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Wandelt der Mensch also beispielsweise einen Urwald in ein Sojafeld, oder einen Sumpf in ein Industriegebiet um, erhöhen sich dadurch auch der Anteil der typischen Krankheitswirte, sagen die Forschenden. Auf landwirtschaftlichen Flächen erhöht sich ihr Anteil im Schnitt um 20 Prozent, in urbanen Gebieten sogar um 70 Prozent.

Exoten sind nicht schuld

Der Grund, warum sich durch unsere Ausbreitung auf der Erde auch weitere Erreger ausbreiten, ist nicht etwa, dass wir plötzlich Kontakt zu exotischen Tieren wie Nashörnern oder Straußen haben. Stattdessen sagen die Forschenden: Vor allem die weniger exotischen Tiere, die bekannt dafür sind, dass sie für uns gefährliche Erreger in sich tragen, können sich in diesen Gegenden besonders gut entwickeln. Darunter fallen beispielsweise Nagetiere wie Mäuse oder Ratten, aber auch Fledermäuse und Vögel.

Klein und resistent

Warum sich ausgerechnet diese Tiere bei einem Urbanisierung-Prozess so sehr vermehren, ist den Forscherinnen und Forschern noch nicht ganz klar. Offenbar ist es so, dass Tiere, die generell viele Viren oder Bakterien in sich tragen, die Zerstörung der Natur eher tolerieren als Tiere, die weniger Erreger in sich tragen.

Ein Grund dafür kann sein, dass diese Tiere oft eher klein sind und eine kurze Lebenspanne haben, wie eben Mäuse oder Ratten. Tiere wie Fledermäuse haben außerdem oft ein aktives Immunsystem und werden deshalb durch die Erreger, die sie in sich tragen, selbst nicht krank.

Die meisten Infektionskrankheiten von Tieren

Die Forschenden sagen, dass mittlerweile mehr als die Hälfte, möglicherweise sogar drei Viertel aller Infektionskrankheiten, die beim Menschen auftreten, ursprünglich von Tieren stammen.

"Von allen Infektionskrankheiten, die neu beim Menschen auftreten, stammen mehr als die Hälfte vielleicht auch drei Viertel ursprünglich von Tieren."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Neben Covid-19 werden auch die Krankheiten wie Gelbfieber, Denguefieber oder Ebolafieber durch Viren ausgelöst, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Bei Bakterien sind es beispielsweise Borrelien, die Borreliose auslösen können.

Zoonosen könnten noch häufiger werden

Die Forschenden sehen das größte Problem derzeit in ärmeren Ländern und Schwellenländern. Denn vor allem dort wird gerade viel Natur in Agrar- oder Stadtflächen umgewandelt. Doch genau dort sind auch die Gesundheitssysteme zu unterfinanziert, um mögliche Ausbrüche gut stemmen zu können.

"Diese Entwicklung, Natur in Agrar- oder Stadtfläche umzuwandeln, betrifft vor allem ärmere und Schwellenländer – wo die Gesundheitssysteme unterfinanziert sind."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Deshalb rät das Forschungsteam dazu, Tiere und Menschen in diesen Gebieten häufiger auf derartige Erreger testen zu lassen.