Besser leben, mehr helfen, mehr staunen - aber ohne Gott. Das ist das Motto der Sunday Assemblies - einer Art Gottesdienst ohne Gott. Jennifer Fraczek und Torsten Landsberg haben ein Treffen besucht - und erfahren, dass weniger Religion nicht unbedingt mehr Lockerheit bedeutet.

Beim Eröffnungslied der Assembly fühlten sich die beiden noch an einen Cluburlaub erinnert. Wenn sich der Animateur verausgabt und niemand Lust hat, mitzumachen. Es dauert etwas, bis die Assembly auftaut. Rund 60 Menschen zwischen 20 und 70 in einem angemieteten Raum, der an eine Aula erinnert. Ihr Motto: besser leben, mehr helfen, mehr staunen - aber ohne Gott.

"Ich finde die Idee schön, dass Menschen zusammenkommen, sich inspirieren lassen, neue Leute treffen, neue Ideen sammeln können - einfach eine kleine gemütliche Gemeinschaft innerhalb der Stadt bilden."
Anna-Lena Salz, Organisatorin der Sunday-Assemblys in Berlin

Die Sunday-Assemblies haben sich von London aus ausgebreitet. Und seit Herbst treffen sich Atheisten auch in Berlin und Hamburg. Vielen geht es dabei auch um eine entstaubtere Kirche. Sie singen Popsongs statt Kirchenlieder. Lauschen Vorträgen statt einer Predigt. So berichtet zum Beispiel ein Mitglied einer Tafel vom Schicksal eines Rentnerehepaares - von Bedürftigen, die nur beschämt Hilfe annehmen. Vorträge von Menschen, die mitten im Leben stehen und nicht abgehoben sind.

Ein striktes Protokoll

Missionarischer Eifer ist den Atheisten dabei nicht fremd. Die Sunday Assembly will die Welt zu einem besseren Ort machen. Und klaubt sich dabei die passenden Elemente aus Gottesdiensten zusammen. Auch eine Sunday Assembly folgt einem strikten Protokoll - erstellt von den Londoner Gründern. Und sogar das Design für Website und Flyer werden vorgegeben.

Ob dieses Konzept ankommt, muss sich zeigen - in Berlin gibt es zurzeit noch eine hohe Fluktuation bei den Besuchern. Und in New York haben sich Teilnehmer und Organisatoren der Assembly so zerstritten, dass ein neuer Atheisten-Club gegründet wurde.