Zugluft

Wenn es im Zimmer zieht

Es ist heiß und wir sind froh über jede Abkühlung. Also Fenster auf! Dann wiederum entsteht schnell Zugluft. Das nervt. Aber schadet der leichte Wind überhaupt? Wir haben uns Profi-Equipment besorgt und nachgeforscht.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt ist mit einem Anemometer losgezogen. Das ist ein Messgerät für Zugluft. Damit hat er in unserer Redaktion den Luftzug nachgemessen und teilweise Windgeschwindigkeiten von 1,6 Metern pro Sekunde aufgespürt - das achtfache über dem Grenzwert!

Dr. Michael Wünning, Chefarzt in der Notaufnahme am Marien-krankenhaus in Hamburg erklärt, dass Zugluft schlecht für unseren Körper ist. Wir können uns sogar erkälten, so der Arzt. "Trifft die Luft auf den Hals, auf die Schleimhäute und die Rachenschleimhaut, dann trocknet diese bei kühler Luft oder Zugluft mehr aus", so Wünning. Dann habe sie nicht mehr das Schutzschild, das uns normalerweise gegen Viren und Bakterien schützt.

Zugluft nur ein Mythos?

Jörg Kachelmann erkennt in der Zugluft aber keine Gefahr. Der Wettermann rantet auf Twitter gegen alle Berichte, die sich mit den Folgen von Zugluft beschäftigen. Auch Deutschlandfunk Nova war schon auf seiner Zielscheibe.

"Gefährlicher, frei erfundener, unwissenschaftlicher Blödsinn. Ist die Erde bald eine Scheibe in Ihrer Retrowelt?"
Jörg Kachelmann bei Twitter

Ein Interview im Radio wollte uns Kachelmann nicht geben. Aber er erklärte am Telefon, Zugluft sei eine rein deutsche Erfindung und völliger Stuss. Alte Menschen würden sterben, weil ihnen Enkel aus Angst vor Zugluft keinen Ventilator schenkten. Das Thema polarisiert also. Notfallmediziner Michael Wünning ist anderer Meinung. So ein Zug sei auch eine permanente Abkühlung der Muskulatur, die Verspannungen zur Folge haben kann, sagt er.

"Diese Abkühlung ist gering, aber ausreichend, sodass unsere Sensoren, die eigentlich darauf angehen, nicht anspringen. Und so kühlt halt der Bereich, wo der Zug hingeht, aus."
​Dr. Michael Wünning, Arzt

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