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Auf der Suche nach Beispielen für gute Zusammenarbeit lohnt sich der Blick in die Tierwelt. Hier gehen verschiedene Tierarten ein symbiotisches Verhältnis ein, sofern der gemeinsame Zweck dem eigenen Vorteil dient. Bei Krokodilen und Vögeln ist das der Fall.

Schon die alten Griechen haben gerne von der Symbiose unter den verschiedenen Tierarten gesprochen. Seitdem wird besonders die Geschichte des afrikanischen Nilkrokodils und dem Krokodilwächter, einem kleinen bunten Vogel als Vorzeigebeispiel weitergetragen. Ein Spoiler vorab: Die Erzählung scheint eher eine Urban Legend zu sein als eine wahre Begebenheit.

Der Vogel, der im Krokodilmaul sitzt

Laut der Geschichte soll der kleine Vogel nämlich am liebsten in den geöffneten Mäulern der Nilkrokodile sitzen und ihre Zähne säubern, indem der Vogel die Zahnzwischenräume und das Zahnfleisch im Krokodilmaul von Nahrungsresten befreit. Der Vogel käme so an reichlich Futter und das Krokodil könne mit einem sauberen Gebiss glänzen.

Glaubhafte Aufnahmen von dieser partnerschaftlichen Zusammenarbeit gibt es aber keine, sagt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. Zwar existieren Fotos von Vögeln, die in Krokodilmäulern sitzen. Bei genauem Hinsehen entpuppen sich die Bilder allerdings als Fotomontagen.

Zumal die Krokodile ihre Zähne gar nicht säubern müssen. Ihre alten Zähne tauschen sich eigenständig durch neue aus. Und die Lücken zwischen den Zähnen sind für gewöhnlich so groß, dass Nahrungsreste kaum dazwischen stecken bleiben können.

Symbiose ist für beide ein Gewinn

Das Nilkrokodil geht allerdings mit anderen Vögeln eine Symbiose ein, die kein Mythos ist. Dann sitzt das Krokodil zusammen mit dem Wellentriel im Sand und beide brühten ihre Eier. Obwohl das Nilkrokodil den kleinen langbeinigen Vogel problemlos fressen könnte, verschont es den Wellentriel, weil er ihm nützlich ist: Geht das Krokodil jagen, passt der Vogel auf die Krokodileier auf und stößt einen Warnpfiff aus, sobald sich ein Fressfeind dem Nest nähert.

"Das Verrückte ist, dass der Vogel und das Krokodil friedlich nebeneinander im Sand brüten, obwohl der Vogel für das Krokodil eigentlich ein kleiner Leckerbissen sein könnte."
Mario Ludwig, Biologe

Im Gegenzug schnappt das Krokodil zu, wenn sich jemand dem Vogelnest nähert. Nilpferde zum Beispiel übersehen die Vogelnester öfter mal und zertreten sie. Ist aber ein Nilkrokodil in der Nähe, gehen die Nilpferde auf Abstand.

In den Sümpfen von Florida sieht die Zusammenarbeit zwischen Vögeln und Alligatoren weniger behutsam aus. Dort landen die Eier von Wasservögeln gerne mal in den Mäulern von Krokodilen. Wasservögel wie Kormorane oder Pelikane brüten in den Sumpflandschaften Floridas oft gezielt in Bäumen, die über den Kolonien von Alligatoren sind. Sie dienen den Wasservögeln als Schutz für ihre Brut. Waschbären und andere Nesträuber halten sich aber von ihnen fern, sobald sie die Alligatoren sehen.

Für die Reptilien sind die Eier wiederum ein beliebter Snack. Besonders der Gesundheit von Alligatorweibchen kommen sie zugute. Und weil die Vögel dort in Kolonien leben, legen sie mehr Eier, als sie versorgen können. Die lassen sie aus dem Nest fallen.

"Die Blutwerte der Alligatorweibchen, die mit Vögeln kooperieren, zeigten einen deutlich besseren Ernährungszustand an als die vogelfreien Krokodilweibchen."
Mario Ludwig, Biologe