Es gibt ja so Lebensmittel - da ist einfach nicht klar, ob sie gesund sind oder eher schlecht: Wein oder Schokolade zum Beispiel, oder auch der heißgeliebte Kaffee.

Bei dem will ein internationales Forscherteam jetzt eine positive Wirkung entdeckt haben. Die Mediziner haben sich Sterbedaten von mehr als einer halben Million Menschen aus zehn europäischen Ländern angeguckt. Und herausgekommen ist: Kaffee-Trinker hatten innerhalb von gut 16 Jahren (über diesen Zeitraum hinweg haben die Forscher ihre Probanden begleitet) eine etwas geringere Wahrscheinlichkeit zu sterben als Nicht-Kaffee-Trinker. Bei Männern war der Unterschied mit zwölf Prozent sogar noch etwas größer als bei Frauen - bei denen waren es sieben Prozent. Als Kaffee-Trinker galt dabei, wer pro Tag 580 Milliliter, also gut einen halben Liter trank.

Zeitgleich wurde noch eine andere Studie zu Kaffee veröffentlicht, im gleichen Fachmagazin. Diese Studie wurde in den USA gemacht und bei ihr ging es um den Effekt von Kaffee auf Menschen mit verschiedenen ethnischen Wurzeln. Da waren Amerikaner mit japanischen Wurzeln dabei, Afroamerikaner, Hispanics, Weiße und Hawaiianer. Die Autoren sagen nämlich: In den meisten bisherigen Studien seien die Effekte von Kaffee nur an Weißen getestet worden und das wollten sie ändern. Das Ergebnis dieser Studie war ähnlich wie das der anderen Studie: Die Sterbewahrscheinlichkeit war bei Kaffee-Trinkern niedriger. Das bedeutet mit anderen Worten: Kaffeetrinker leben länger - und dabei gibt es keinen Unterschied zwischen ethnischen Gruppen. Allerdings muss man vorsichtig sein, wie man die Ergebnisse der beiden Studien deutet.

Jenny Rieger, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten
"Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass wir uns ohne Ende Kaffee reinkippen sollten. Diese Studien haben nur beobachtet, was mit den Teilnehmern über die Jahre passiert. Es könnte sein, dass Kaffeetrinker noch irgendetwas anderes machen, das ein langes, gesundes Leben fördert."

Die beiden Studien waren Beobachtungsstudien, da ist es schwer, Zusammenhänge eindeutig nachzuweisen. Unbeteiligte Forscher warnen deswegen: Der gefundene Zusammenhang bedeutet nicht zwangsläufig, dass Kaffee gesund ist - er könnte auch etwas anderes bedeuten, nämlich, dass kranke Menschen einfach keinen Kaffee trinken.

Mehr über Zusammenhänge, die vielleicht gar keine sind, findet ihr hier in unserem Erklärvideo:

Aktueller Forschungsstand zu Kaffee

Kaffee und seine Auswirkungen zur Gesundheit wurden schon rauf und runter untersucht und es gibt viele Teilergebnisse. Klar ist: In Kaffee sind eine Menge chemischer Bestandteile, die vielleicht positive Wirkungen haben. Magnesium und Kalzium etwa, und bestimmte Fettsäuren. Für die europäische Studie haben die Forscher bei einem Teil der Probanden noch zusätzliche Messungen gemacht. Dabei haben sie herausgefunden, dass Kaffeetrinker oft bessere Werte haben, was bestimmte Leberenzyme angeht, die zum Beispiel den Blutzuckerspiegel regulieren.

Einen Unterschied macht auch, wie der Kaffee zubereitet wird, also über Filter oder French-Press-Verfahren, denn dadurch ändert sich die Zusammensetzung des Getränks. Außerdem wirkt Kaffee nicht auf jeden Menschen gleich. Manche Forscher glauben zum Beispiel, dass bestimmte Genvarianten etwas damit zu tun haben könnten, wie viel Kaffee gut für uns ist. In früheren Studien wurde schon ein Gen entdeckt, das wohl dafür sorgt, dass die Träger gar nicht so viel Kaffee trinken mögen. Ein anderes Gen erhöht möglicherweise das Risiko, dass Kaffee negativ auf den Herzkreislauf wirkt. Es gibt also auch viele individuelle Unterschiede.