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Weniger Autos, mehr Platz für Menschen. Viele Großstädte planen um – für die Zukunft. Denn der öffentliche Raum ist begrenzt. Wer bekommt wie viel Platz? Klimakrise und Corona-Pandemie erfordern neue Antworten. Auch die 15-Minuten-Stadt, in der sich alle Besorgungen zu Fuß erledigen lassen, gehört zu den Ideen für neue Stadtkonzepte.

In vielen Innenstädten sind – auch wegen Corona – kleine Eingriffe im öffentlichen Raum entstanden: Plötzlich stehen Bänke oder Blumenkübel auf dem Gehweg oder auf Plätzen, wo früher Menschen vorbeigeeilt sind oder Autos geparkt haben. Weniger Menschen gehen oder fahren ins Büros, die unmittelbare Umgebung spielt – wenn wir zum Beispiel auch nicht in den Urlaub fahren können – eine größere Rolle. Und kleine Erlebnisorte direkt vor der Haustür können viel zur Lebensqualität beitragen.

Erlebnisräume ohne Durchgangsverkehr

Die Stadt München (im Bild oben) will jetzt ein ganzes Viertel komplett autofrei machen: Im Westend-Kiez – vor allem geht es um vier ziemlich enge Straßen, die ein Viereck bilden – soll ein Erlebnisraum ohne Durchgangsverkehr entstehen. Die Macherinnen und Macher sprechen PR-tauglich von "Freiluft-Wohnzimmern". Aktuell ist es dort noch ganz schön voll, vor allem durch parkende und fahrende Autos.

Der Westend-Kiez ist nicht sehr groß. DAs sei zunächst jedoch egal, hat Verkehrsforscher Christoph Hupfer in der ARD erklärt. Denn Flächen in Innenstädten hätten alle das gleiche Problem: Entweder es steht ein Auto drauf oder es fährt ein Radfahrer entlang oder es spielt dort ein Kind oder Menschen trinken dort Kaffee. Da die Flächen begrenzt sind und eben in der Regel nur für eine Sache nutzbar, müsse man sich genau überlegen, wie sie verwendet werden sollen.

"Das Auto ist kein effizientes Verkehrsmittel. Effizienz ist die Transportleistung pro Fläche – da ist das Auto dramatisch schlecht."
Verkehrsforscher Christoph Hupfer in der ARD

Um das Parkplatzproblem zu lösen, soll den Anwohnenden eine Tiefgarage zur Verfügung gestellt werden, in der es noch freie Plätze gibt. Dort sollen sie dann günstig parken können. Darüber hinaus ist das Ziel, dass perspektivisch immer mehr Leute das eigene Auto abschaffen. Der Verkehrsforscher sagt, die meiste Zeit stehen die Fahrzeuge nur in der Gegend herum. Und sie stehen da, wo wir eigentlich auch in einem Biergarten sitzen könnten.

15-Minuten-Stadt: Alles ganz nah

Damit sich Menschen bewusst gegen ein Auto entscheiden, müssen ihnen Alternativen angeboten werden. Eine Stadt muss also etwa für gute Radwege und einen möglichst flächendeckenden ÖPNV sorgen. Oder aber: Die Stadt macht es möglich, dass die Menschen möglichst viel zu Fuß erledigen können, weil alles, was sie brauchen, direkt um die Ecke ist: 15-Minuten-Stadt heißt ein Konzept. Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, will es in der französischen Hauptstadt umsetzen.

Entwickelt hat diese Vision Carlos Moreno. Er leitet den Lehrstuhl Unternehmen, Land und Innovation an der Pariser Sorbonne-Universität. Moreno definiert einige Grundbedürfnisse, die innerhalb von 15 Minuten zu Fuß (oder im Zweifel noch mit dem Rad) erreichbar sein sollen. Sind diese erfüllt, hätte nicht einmal mehr der ÖPNV eine so große Bedeutung.

"In der 15-Minuten-Stadt wären Autos unnötig. Lebensqualität und Anzahl der sozialen Bindungen innerhalb eines Stadtviertels würden steigen."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova

Autos würden völlig überflüssig, gleichzeitig würde die Lebensqualität im Stadtviertel um ein Vielfaches steigen und die sozialen Bindungen innerhalb von Vierteln wachsen, weil sich die Menschen hauptsächlich dort aufhalten. Viele Pariserinnen und Pariser haben erlebt, wie der Zusammenhalt wächst, wenn man wegen Corona sein Viertel kaum noch verlassen kann.

Auch viele Personengruppen in deutschen Städten, etwa in Hamburg, zeigen Interesse an dem Konzept. Die Fahrradakademie des Deutschen Instituts für Urbanistik, gefördert vom Bundesverkehrsministerium, bietet das Webinar "Vorbild Paris – auf dem Weg zur 15-Minuten-Stadt" an.