Im 16. Jahrhundert dienten Ehen der Herrschaftserweiterung. Während sich Kaiser Karl V. durch Europa kämpft, hält Ehefrau Isabella in der spanischen Heimat die Fäden in der Hand. 1539 stirbt sie mit 35 Jahren. Und Karl wird nicht nochmal heiraten.
In früheren Jahrhunderten war es üblich, dass Väter die Hochzeiten ihrer Kinder rein nach dynastischen oder strategischen Interessen arrangierten. Zuneigung oder gar Liebe spielte dabei meist keine Rolle.
Doch im März 1526 geschah das Unerwartete: Die Vermählung des Habsburger Kaisers Karl V. mit der portugiesischen Königstochter (Infantin) Isabella erwies sich nicht nur als politischer Geniestreich, sondern auch als tiefe Liebesbeziehung.
"Die Titel-Ansammlung Karls V. begann vor der Krönung zu König und Kaiser. 1506 wurde er Landesherr der Burgundischen Niederlande. 1516 wird er König von Kastilien, León und Aragón. Vor der Hochzeit folgen weitere Titel."
Karl wurde 1500 in Gent geboren und als Landesherr der burgundischen Niederlande seit 1516 mit seiner Mutter Johanna von Kastilien ("die Wahnsinnige") König von Kastilien, León und Aragón, also Spanien.
Zu jener Zeit war er bereits der mächtigste Mann Europas: 1519 wurde er zum römisch-deutschen König gewählt. Isabella, die Tochter des portugiesischen Königs Manuel I., brachte eine immense Mitgift in die Ehe ein, die Karls leere Kriegskassen füllte. Sie brachte die portugiesische Krone jedoch nicht direkt mit in die Ehe – die Vereinigung der beiden Weltreiche unter einer Krone sollte erst ihrem gemeinsamen Sohn, Philipp II., im Jahr 1580 gelingen.
Ehefrau Isabella beweist sich als geschickte Regentin
"Karl V. wollte die Welt beherrschen – stattdessen zerbrach sie für ihn. Er ist als einziger deutscher Kaiser zurückgetreten."
Dennoch war Karls Herrschaftsbereich bereits so gewaltig, dass er das Zitat vom Reich, in dem "die Sonne niemals untergeht", prägte. Karl war wegen Kriegen und Reichstagen häufig und über längere Zeiträume unterwegs in Europa. Währenddessen bewies Isabella politisches Geschick in Spanien. Sie fungierte als kluge Regentin, entschied zunehmend eigenständig und erwies sich als fähige Verwalterin der spanischen Interessen.
"Die Idee der Universalmonarchie selbst ist sehr alt. Sie ist begründet seit der Antike. Schon damals gab es die Vorstellung von einer universalen Herrschaft nach dem römischen Recht."
Isabella stirbt mit 35 Jahren
Das private Glück endete, als Isabella im Mai 1539 – kurz nach der Geburt ihres fünften Kindes – im Alter von nur 35 Jahren verstarb. Karl war vom Verlust seiner Frau so schwer getroffen, dass er für den Rest seines Lebens nur noch Schwarz trug und – höchst ungewöhnlich für jene Zeit – nie wieder heiratete. Er überlebte seine Frau Isabella um fast zwei Jahrzehnte und starb am 21. September 1558 im abgeschiedenen Kloster von Yuste an den Folgen einer Malaria-Erkrankung.
Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:
- Historiker Heinz Schilling beschreibt Karl V., den "Imperator mundi".
- Neuzeithistoriker Franz Bosbach hat sich mit der Universalmonarchie Karls V. beschäftigt und darüber publiziert.
- Der Heidelberger Mittelalterexperte und Historiker Romedio Schmitz-Esser beschäftigt sich mit dem Jahr 1500, in dem das Mittelalter zu Ende ging und die Neuzeit begann.
- Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld beschreibt die Größe des Reiches, die durch die Heirat von Karl und Isabella entstanden ist.
- Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nadine Kreuzahler erinnert an die Ankunft Karls in Sevilla Anfang März 1526.
- Nadine Kreuzala erinnert an die Ankunft Karls in Sevilla Anfang März 1526
- Heinz Schilling beschreibt Karl V., den "Imperator mundi"
- Franz Bosbach über die Idee der Universalmonarchie Karls V.
- Romedio Schmitz-Esser über das Ende des Mittelalters 1500 und Beginn der Neuzeit
