Es war eine ungewöhnliche Entdeckung – Zöllner sind bei einer Autokontrolle in Bietingen auf 18.000 Euro in Münzen gestoßen. Der Fund wirft Fragen auf. Einige davon kann uns Jelena Stapf von der Bundesbank beantworten.

Das Deutschland ein Land der Bargeld-Fans ist, ist bekannt. Dennoch war der Fund, den Zöllner bei einer Autokontrolle in Bietingen machten, ungewöhnlich: 18.000 Euro in Zwei- und Zehn-Cent-Münzen im Kofferraum. Die zweifelhafte Erklärung des Fahrers: Er wollte sein Auto mit der Münzlast beschweren. Nur hatte sein Wagen einen Vorderradantrieb – die Beamten haben ihm also nicht geglaubt. 

"Der aktuelle Fall ist merkwürdig. Aber grundsätzlich gibt es Leute, die größere Bestände an Münzen haben."
Jelena Stapf, Abteilungsleiterin Bargeld bei der Bundesbank

Der Fall wirft einige Fragen auf – ein paar davon kann uns Jelena Stapf beantworten. Sie ist Abteilungsleiterin Bargeld bei der Bundesbank. Jelena Stapf kann sich vorstellen, dass jemand 18.000 Euro in Münzen sammelt. Auch der Handel oder Wertdienstleister kann eine größere Summe von Münzen bei Zentral- oder Geschäftsbanken als Wechselgeld bekommen. 

18.000 Euro in Münzen, das klingt viel. Im Vergleich zu den Cent-Stücken, die durch den gesamten Euroraum wandern, ist das aber verschwindend gering. Zum Ende des vergangenen Jahres waren 27,3 Milliarden Zwei-Cent-Münzen im Umlauf – mit einem Gesamtwert von 546 Millionen Euro. Bei den Zehn-Cent-Münzen waren es über 15,1 Milliarden mit ein einem Wert von 1,51 Milliarden Euro. 

Tonnen von Bargeld

Klar ist: größere Mengen an Münzen zu bewegen, das braucht Muskelkraft. Eine Zehn-Cent-Münze wiegt 4,1 Gramm. Bei einer Zwei-Cent-Münze sind es im Durchschnitt 3,06 Gramm mit geringen Toleranzen auf der zweiten Nachkommastelle. Der Fahrer an der deutsch-schweizerischen Grenze hat also 738 Kilogramm in seinem Wagen bewegt, wenn er ausschließlich auf Zehn-Cent-Münzen gesetzt hätte. 2754 Kilogramm wären zusammengekommen, wenn er nur Zwei-Cent-Münzen geladen hätte. Die reale Zuladung dürfte also irgendwo in der Mitte gelegen haben. 

Wer darauf setzt, dass der Materialwert der Münzen den Nennwert überschreiten könnte, muss wissen: Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen bestehen im Euroraum aus einem Stahlkern, der nur mit Kupfer legiert ist. Die Münzhoheit liegt im Euroraum bei den einzelnen Bundesministerien der Finanzen. Hergestellt werden die Münzen bei bestimmten Prägeanstalten – in Deutschland gibt es fünf davon. Selbst die Bundesbank weiß nicht genau, wie hoch die Präge- und Materialkosten für die Cent-Stücke sind. Jelena Stapf räumt aber ein: Ganz auszuschließen sei es nicht, dass die Prägekosten für die Ein-und Zwei-Cent-Münzen höher sind als der Wert, der ihnen aufgeprägt ist.