Das bargeldlose Zahlen schreitet voran – nur nicht in Deutschland. Warum eigentlich hängen wir so an unseren Münzen und Scheinen? Dafür gibt es vor allem zwei Gründe, sagt Carsten Brzeski, Chefökonom der ING-DiBa.

Weltweit gibt es immer mehr Systeme, die bargeldloses Zahlen ermöglichen. Jetzt startet Apple-Pay in drei weiteren europäischen Ländern, nur Deutschland macht nicht mit. Die Deutschen wollen die Kontrolle über ihr monatliches Geld haben, sagt Carsten Brzeski, Chefökonom der ING-DiBa - und Bargeld gibt uns dieses Gefühl. Auch aus Datenschutz-Gründen lehnen viele die neuen Bezahlarten ab, so Brzeski.

"Menschen haben Angst, wenn sie jegliche Zahlung mit der Karte oder online machen, dass sie dann kontrolliert werden können. Und das wollen die Leute auch nicht."
Carsten Brzeski, Chefökonom der ING-DiBa

Zumindest in den Supermärkten und größeren Geschäften gibt es hierzulande Kartenlesegeräte. Warum aber nicht beim Bäcker oder im Cafe um die Ecke? Für die Händler sei das momentan anscheinend noch zu teuer, sagt Brzeski. Die Deutschen bräuchten vor allem ein einheitliches Zahlungssystem, das ineinandergreift, und das nicht mit Extrakosten verbunden ist. Dann würden wir vielleicht auch mehr vom Bargeld loslassen, so der Ökonom.

Um ein einheitliches System zu schaffen, müssen alle Banken zusammenarbeiten. Hier gäbe es immer wieder Versuche, sagt Brzeski, doch die würden noch zu sehr auf Ablehnung der Händler und Kunden stoßen. Und das, obwohl wir in anderen europäischen Ländern sehen, wie die Akzeptanz und die Möglichkeiten des bargeldlosen Zahlens steigen: 

"Wir sind eher ein bisschen konservativer, wir sind zurückhaltender, was neue Technologien angeht."
Carsten Brzeski, Chefökonom der ING-DiBa

Städte wie London machen es vor: Hier kann man längst nicht nur mit der Karte, sondern auch mit der Smartwatch und dem Handy zahlen. Braucht es vielleicht auch politischen Willen, um bargeldlose Zahlsysteme in Deutschland weiter zu etablieren? Aus volkswirtschaftlicher Sicht sollte das der Markt eigentlich selber regeln und die Nachfrage das Angebot steuern, so Brezesk, doch:

"Ganz ehrlich, ich gehe mal davon aus, dass es auch noch eine Generationsgeschichte ist."
Carsten Brzeski, Chefökonom der ING-DiBa

Die Generation, die mit Smartphones, Computern und dem Internet aufgewachsen ist, die stehe modernen Zahlsystemen viel offener gegenüber, so Breszk. Darum ist sich der Ökonom sicher, dass der Hang zum Bargeld in den kommenden Jahren zurückgehen wird. 

Damit würde man es auch den ausländischen Touristen einfacher machen, die das bargeldlose Zahlen gewohnt sind, so Brzeski. Ein Vorteil für Deutschland wäre außerdem: "Mit dem Kartenbezahlen kann ich auch das Schwarzgeld zurückdrängen."

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