Hitlers kranke Ideologie kam nicht über Nacht - 1891 wurde der Alldeutsche Verband gegründet. Seine Forderungen: Europa unter deutscher Hegemonie, Juden aus dem Land treiben, Osteuropa unterwerfen.

Im Alldeutschen Verband sammelten sich Menschen vom rechtsextremen Rand der Gesellschaft des Deutschen Kaiserreichs. Sie propagierten ein Europa unter deutscher Hegemonie, wollten Juden aus dem Land treiben, weite Teile Osteuropas annektieren und überseeische Kolonien erwerben. Was sich anfangs nach den Ansichten abseitiger Spinner anhörte, wurde im Verlauf der kommenden 20 Jahre mehr und mehr Gegenstand der offiziellen Politik. Im nationalsozialistischen Deutschland waren die Alldeutschen Forderungen endgültig Programm deutscher Politik geworden. Sinnbild dieser Verschiebung rechtsextremer Ideen in die Mitte der Politik: der Medienmogul Alfred Hugenberg, der dem ersten Kabinett Adolf Hitlers angehörte.

"Natürlich sind die Vorstellungen einer ethnisch-kulturell homogenen Nation, wie sie AfD und Pegida heute verbreiten, genau das, was auch die Alldeutschen schon vor über 100 Jahren propagiert haben."
Peter Walkenhorst über den Einfluss des Alldeutschen Verbandes bis heute

Heute werden wieder Parolen von Rechtsaußen immer weiter in die Mitte der Gesellschaft getragen. Funktionäre und Sympathisanten der AfD reden davon auf Flüchtlinge schießen zu lassen, stellen eine Religion über die andere, sortieren Menschen nach Hautfarbe, ethnischer Herkunft oder religiöser Überzeugungen und behaupten Afrikaner und Europäer folgten unterschiedlichen "Fortpflanzungsstrategien": einerseits der "lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp" und andererseits der "europäische Platzhaltertyp", zu dessen Erhalt die Schließung der Grenzen erforderlich sei.

Als Lehre aus den politischen Verhältnissen der Weimarer Republik muss die heutige demokratische Gesellschaft in Deutschland politische und gesellschaftliche Strategien entwickeln, die ein Vordringen derartiger Ideen in die Mitte der Politik verhindern.

Außerdem hört ihr noch in Eine Stunde History:

  • Peter Walkenhorst über den radikalen Nationalismus im Deutschen Kaiserreich
  • Rainer Hering über die Entwicklung des deutschen Konservatismus in der Weimarer Republik
  • Markus Funck über die Wege vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft
  • DRadio-Wissen-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die Anfänge des Alldeutschen Verbandes