Das Siegel mit dem grünen Sechseck und dem Wort "Bio" in der Mitte ist das deutsche Bio-Siegel. Seit 20 Jahren prangt es auf Bio-Produkten aus Deutschland. Es ist freiwillig und darf nur zusätzlich zum EU-Bio-Siegel verwendet werden. Damit ist es eigentlich überflüssig, aber es hat unser Vertrauen.

Vor rund 20 Jahren tobte der BSE-Skandal in Europa. Ende 2000/Anfang 2001 war die gefährliche Rinderseuche DAS Thema. BSE kann zu tödlichen Hirnschäden führen und sich auf den Menschen übertragen. Auch in Deutschland war die Angst groß.

Renate Künast von den Grünen war damals Verbraucherschutzministerin. Sie führte das deutsche Bio-Siegel ein, damit Verbraucher und Verbraucherinnen im Supermarkt schnell erkennen, ob Lebensmittel möglichst natürlich erzeugt wurden. Seitdem prangt das grüne Sechseck mit dem Wort "Bio" in der Mitte auf vielen Öko-Produkten in Deutschland.

Das deutsche Bio-Siegel braucht das EU-Bio-Siegel

Das deutsche Bio-Siegel ist ein freiwilliges Siegel, so unser Reporter Matthis Dierkes. Hersteller müssen es nicht auf ihre Verpackungen drucken – und sie dürfen es nur zusätzlich zum EU-Bio-Siegel verwenden. Dieses Siegel wurde 2010 geschaffen als einheitliches Erkennungszeichen für in der EU biologisch erzeugte Produkte.

Das deutsche Bio-Siegel ist sehr bekannt

Das Logo ist ein grünes Rechteck mit mehreren Sternchen, die ein Blatt darstellen. Das Siegel ist nicht freiwillig: Es muss auf allen verpackten Bio-Lebensmitteln drauf sein, die in der EU hergestellt wurden. "Am Ende stehen aber beide Siegel für die gleichen Mindeststandards für Landwirtschaft und Tierhaltung", sagt Matthis.

Warum das freiwillige deutsche Bio-Siegel überhaupt noch genutzt wird, liegt an seiner Bekanntheit und einer guten Portion Vertrauen, für das es steht. So zumindest sieht es das Bundeslandwirtschaftsministerium. Laut Ministerium erkennen 97 Prozent der Menschen in Deutschland das Sechseck als Zeichen für Bio-Lebensmittel. Deshalb kommen weiterhin beide Siegel auf die Verpackungen - auch wenn das nicht unbedingt nötig wäre, so Matthis.

"Es gibt Zehntausende Produkte, die weiterhin beide Siegel tragen. Obwohl seit gut zehn Jahren das verpflichtende EU-Siegel reichen würde."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk Nova-Reporter

Aber so prangen weiterhin zwei Siegel auf den Produkten. Beide garantieren folgende Kriterien:

  • 95 Prozent der Zutaten der Bio-Lebensmittel sind aus ökologischem Landbau
  • keine Gentechnik
  • keine synthetischen Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge
  • keine chemisch-synthetischen Dünger
  • für die Tierhaltung gelten höhere Standards, was Futter oder die Stallfläche pro Tier betrifft im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln

Basis für das deutsche Bio-Siegel sowie das EU-Bio-Siegel ist die EU-Öko-Verordnung. An der gibt es auch Kritik. Zum Beispiel wegen den Mindeststandards für die Tierhaltung: Manchen gehen diese nicht weit genug, sie wünschen sich strengere Regeln.

Andere Siegel für ökologische Produkte gehen weiter. Zum Beispiel die deutschen Bio-Verbände, die ihr eigenes Siegel haben. Dazu gehören Anbieter wie Bioland, Demeter oder Naturland. Sie erlauben zum Beispiel deutlich weniger Schweine und Hühner auf einer bestimmten Fläche als das EU-Bio-Siegel - und eben auch das deutsche Bio-Siegel.