Theo Hespers war der Großvater von DRadio-Wissen-Autorin Nora Hespers. Nora hat ihren Opa nie kennengelernt. Er wurde am 9. September 1943 von den Nazis hingerichtet, Theo Hespers war Widerstandskämpfer. Sein Leben prägt die Familie Hespers bis heute.

Nora Hespers ist Mitte 30. Ihr Vater ist Jahrgang 1931 und er ist der Sohn von Theodor Franz Maria Hespers - kurz Theo Hespers. Der kam 1903 in Möchengladbach zur Welt. 1933, da war Noras Vater gerade mal zwei Jahre alt, musste Theo Hespers seine Heimatstadt verlassen. Er floh - vor den Nazis. Die Geschichte ihres Opas beschäftigt Nora Hespers bis heute. Auf ihrem Blog Die Anachronistin erzählt sie seine Lebensgeschichte und die ihrer Familie.

"Drei Dinge weiß ich, seit ich angefangen habe zu sprechen. Erstens: mein Großvater heißt Theodor Franz Maria Hespers. Zweitens: mein Großvater ist ein Held. Drittens: die Nazis haben meinen Großvater umgebracht - erhängt an einem Galgen."
Nora Hespers über ihren Opa Theo Hespers

Theo Hespers war schon seit den 20er Jahren Mitglied in einem Jugendbund - dem sogenannten Quickborn. Der katholische Jugendbund war eine Abstinenzler-Vereinigung: keine Zigaretten, kein Alkohol. Trotzdem war der Quickborn eine Gemeinschaft junger katholischer Revoluzzer. Sie verlangten die Anerkennung der Jugend als eigenen Lebensabschnitt, wollten sexuelle Aufklärung und die Einbeziehung beider Geschlechter in den Bund. Für die katholische Kirche waren diese Forderungen skandalös. Einige Kirchenvertreter wollten den Bund sogar verbieten lassen.

Theo Hespers gegen die Nazis

Theo Hespers war auch politisch aktiv: Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, ließ er sich für die "Einheitsliste der Arbeiter und Bauern" zur Wahl aufstellen. Die Wahl hätte am 5. März 1933 stattfinden sollen, weil die Nazis eine Woche zuvor eine Notverordnung erlassen hatten, war Theo Hespers Kandidatur plötzlich ein strafbarer Akt. Er floh über die grüne Grenze nach Holland, seine Frau Käthchen und seinen Sohn Dietrich Franz - er ist heute der Vater von Nora - holte er später nach.

Der Widerstand ging weiter

Von Holland aus schmuggelte Theo Hespers Widerstandsschriften ins Dritte Reich, er half anderen Flüchtlingen, die Hitler-Deutschland verlassen wollten, und er gründete die Widerstandszeitschrift "Kameradschaft - Schriften junger Deutscher". Auch wenn Theo Hespers heute längst nicht so bekannt ist wie zum Beispiel die Geschwister Scholl, war er zu der damaligen Zeit einer der großen Autoren.

Die misslungene Flucht

Als die Nazis am 10. Mai 1940 ihren Westfeldzug starteten und Belgien und die Niederlande überfielen, wurde es eng für Theo Hespers. Er floh mit seiner Familie nach Dünkirchen und hoffte, von dort nach England zu gelangen. Die Flucht gelang nicht, zwei Jahre tauchte die Familie Hespers in Belgien unter. 1942 schnappte die Gestapo Theo Hespers in Antwerpen mit falschen Papieren. Er kam ins Gestapo-Hausgefängnis in Berlin. Ein Jahr lang wurde Theo Hespers dort verhört und gefoltert. Am 9. September 1943 wurde das Todesurteil in Berlin-Plötzensee vollstreckt. Theo Hespers starb am Galgen.

"Ihr werdet, hoffe ich, noch einmal die neue schöne Zeit erleben, nach der ich mich immer sehnte, in einem glücklichen Volk, friedlich, gesättigt und froh leben. Ich wünsche es allen Menschen!"
Theo Hespers in einem der letzten Briefe an seine Familie

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