Bei den Plastikmüll-Exporten lässt sich laut Statistischem Bundesamt ein leichter Rückgang verzeichnen. Trotzdem bleibt Deutschland Europameister, was Kunststoffmüll angeht.

Deutschland verkauft seinen Plastikmüll an Unternehmen in anderen Ländern – zum Beispiel an chinesische Firmen. Sie recyceln den Abfall, um Rohstoffe zu gewinnen, die sie dann wieder weiter verkaufen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Industrieabfälle: zum Beispiel Kabelreste und Plastikplanen für den Anbau von Spargel.

Verpackungsmüll aus Plastik, der in deutschen Privathaushalten anfällt, wird in der Regel in Deutschland verarbeitet: Er wird entweder recycelt oder verbrannt – da liegt die Quote aktuell bei rund 50:50. Das heißt, die eine Hälfte wird recycelt, die andere verbrannt.

China: Kein unsortierter Plastikmüll mehr

Früher musste der Plastikmüll, der nach China exportiert wurde, nicht vorsortiert werden. Dadurch sind dort große Mengen an Plastikmüll angekommen, der auch dort nicht verwertet werden konnte und auf der Müllhalde gelandet ist. Ein Minusgeschäft für die Einkäufer.

Um die Qualität des importierten Plastikmülls zu verbessern, akzeptiert China seit 2018 keine unsortierten Plastikabfälle. Auf diese Regelung haben sich auch die EU und die OECD geeinigt.

"Nur um das auf die Deponie zu schmeißen, kauft uns das keiner aus China ab."
Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Seitdem ist der Plastikexport von Deutschland nach China deutlich zurückgegangen. Vor gut zehn Jahren hat Deutschland noch mehr als 760.000 Tonnen Plastik nach China verschifft. Im vergangenen Jahr betrug das Volumen weniger als eine Tonne, also einen Bruchteil von der früheren Menge.

Weniger Plastikmüll-Exporte in asiatische Länder

Auch in anderen asiatischen Regionen und Ländern ist die Situation ähnlich: Nach Hongkong, Taiwan und Indonesien wird fast gar kein deutscher Plastikmüll mehr exportiert. Stattdessen landet der meiste Plastikabfall aus Deutschland – nämlich mehr als die Hälfte – mittlerweile in den Niederlanden. Auch in die Türkei und nach Polen exportieren wir unseren Müll.

Schwer zu kontrollieren, wo der Müll tatsächlich landet

Länder wie Deutschland und die Niederlande 'tauschen' Plastikmüll auch gegenseitig. In die Niederlande wurden letztes Jahr zum Beispiel rund 156.000 Tonnen Plastikmüll exportiert – und fast 73.000 Tonnen zum Recyceln nach Deutschland importiert.

Die Statistik sei, was die Niederlande angeht, allerdings ein bisschen verfälscht ist, sagt Henning Wilts. Denn in den Transportpapieren stehe oft, dass der Zielort die Niederlande sei, aber der Plastikmüll werde zum Hafen gebracht und von dort aus in alle Welt verschifft. Das sei leicht zu manipulieren, aber schwer nachzuweisen.

Exporte zu verbieten, sei kontraproduktiv

In verschiedenen Ländern können unterschiedliche Arten von Plastikmüll effizient recycelt werden: Das liegt daran, dass in jedem Land andere Müllverwertungsanlagen stehen können und unterschiedlich viel von einer Art von Plastikmüll vorliegen kann. In manchen Fällen ist das Verbrennen die bessere Alternative.

Den Import oder Export von Plastikmüll zu verbieten, sei kontraproduktiv, so Henning Wilts. Denn der Handel würde dafür sorgen, dass der Recyclinganteil in den Verpackungen besonders hoch sei.

Verpackungen: Beim Design das Recycling mitdenken

Seit der Änderung des Verpackungsgesetzes im Juli des vergangenen Jahres gibt es inzwischen deutlich mehr Verpackungen mit Recyclinganteil – also, in denen zumindest teilweise recyceltes Plastik steckt.

Allerdings produzieren wir weiterhin sehr viel Plastikmüll: Im Jahr 2020 war die Menge so groß wie noch nicht. In deutschen Privathaushalten sind laut Statistischem Bundesamt fast drei Millionen Tonnen Plastikmüll angefallen, dabei handelt es sich hauptsächlich um Verpackungen.

Viele Expert*innen sind der Meinung, dass beim Design von Verpackungen das Recycling eigentlich schon mitgedacht werden müsste. Gut zu recyceln sind Verpackungen allerdings dann, wenn sie aus möglichst wenigen unterschiedlichen Materialien bestehen.

Der Experte für Kreislaufwirtschaft Henning Wilts hält es für eine gute Lösung, Hersteller für die Entsorgung ihrer Verpackungen zahlen zu lassen. Sein Ansatz: Verpackung, die sich nicht recyceln lassen, sollten deutlich mehr kosten. Und: Das sei auch schon geplant.

"Eine Verpackung, wo jeder weiß, dass man die nicht recyceln kann, die sollte deutlich teurer werden."
Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Ein weiterer Grund dafür, dass im vergangenen Jahr weniger Plastikmüll exportiert wurde, könnte laut Experten und Expertinnen des Statistischen Bundesamt mit den gestörten Lieferketten zusammenhängen. Denn während der Pandemie mussten in vielen Ländern der Welt immer wieder Häfen geschlossen werden. Im vergangenen Jahr wurden dementsprechend gut 766.200 Tonnen Plastik ins Ausland gebracht - das ist ein Viertel weniger als im Jahr 2020 und nur noch halb so viel wie vor zehn Jahren.