Eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Forschungsvereinigung hat Studien in Auftrag gegeben, für die an Affen und Menschen mit Autoabgasen und Schadstoffen experimentiert wurden.

Wer dachte, dass es bei der Dieselaffäre nur noch um die Frage geht, ob in deutschen Städten Fahrverbote eingeführt werden oder nicht, wird im Moment eines Besseren belehrt. 

Denn seit dem Wochenende ist der Dieselgate um ein Kapitel reicher. Die Automobilkonzerne VW, Daimler und BMW haben über die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) Studien mitfinanziert, in deren Rahmen unter anderem Abgastests an Affen durchgeführt wurden.

Affen schauten Zeichentrickfilme zur Beruhigung

Nach Berichten der New York Times wurden im Jahr 2014 zehn Javaneraffen mehrere Stunden lang den Abgasen eines VW Beetle ausgesetzt, in dem eine manipulierte Abgastechnik verbaut worden war. 

Die Studie sollte zeigen, dass die gesundheitlichen Belastungen  durch Dieselabgase aufgrund moderner Abgasreinigung stark reduziert werden konnten. Laut Studienleiter Jake McDonald sollte der Versuch zuerst sogar an Menschen durchgeführt werden. Aber wegen rechtlicher Bedenken habe man sich dann für Affen entschieden. 

Uniklinik der RWTH Aachen verteidigt die Studie

Nicht so bei einer weiteren Studie, die die EUGT bereits 2012 an einem Institut des Universitätsklinikums Aachen in Auftrag gegeben hat. 25 Menschen mussten in einem Experiment mehrere Stunden das Reizgas Stickstoffdioxid (NO2) einatmen. Laut dem Institutsleiter Thomas Kraus sollte in der Studie geklärt werden, ob Stickstoffdioxid die Gesundheit von Menschen an ihrem Arbeitsplatz beeinflusst.

"Bei bestimmten Arbeitsplätzen wie die des Schweißers oder Kochs müssen bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Die Wissenschaftler aus Aachen sagen, dass es darum gegangen ist."
Nadine Lindner, Korrespondentin Deutschlandfunk Nova

Die maximale Konzentration des Reizgases während des Versuchs betrug das Dreifache des aktuellen Grenzwertes. In einer heute veröffentlichten Pressemitteilung weist die Klinik darauf hin, dass die Studie von der eigenen Ethikkommission genehmigt wurde und sich inhaltlich nicht mit der Dieselbelastung von Menschen befasst hat.

Langzeitstudien über Folgen von Stickstoffdioxid fehlen

Für Werner Eckert, dem Leiter der SWR-Umweltredaktion, handelt es sich dabei um eine völlig korrekte Studie, in der die Versuchsteilnehmer nur kurzfristig relativ niedrigen Konzentrationen von Stickstoffdioxid ausgesetzt wurden. Seiner Meinung nach atmet jeder, der an einer stark befahrenen Straße lebt, dauerhaft viel mehr Stickoxid ein.

"Probleme haben eher Kinder, Asthmatiker und ältere Menschen, wenn die Atemwege schon angeschlagen sind. Und das hat man in Aachen nicht untersucht."
Nadine Lindner, Korrespondentin Deutschlandfunk Nova

Nach Angaben des Umweltbundsamts schädigt Stickstoffdioxid das Schleimhautgewebe im gesamten Atemtrakt des Menschen und reizt die Augen. Mögliche Folgen sind Atemnot, Husten, Bronchitis und Lungenödem. 

Ähnlich sehen es auch die Autoren der Studie. Sie geben zu bedenken, dass der Versuch auch andere Ergebnisse liefern könnte, wenn die Menschen dem Stickstoffdioxid länger ausgesetzt sind. Es müssten also Langzeitstudien her, um eine wirklich fundierte Aussage treffen zu können.

Wann sind Versuche am Menschen ein Muss?

Über den Sinn und die Notwendigkeit von Versuchen an Menschen haben wir heute in der Sendung mit dem Kriminalbiologen und Forensiker Mark Benecke gesprochen:

Mark Benecke, Kriminalbiologe und Forensiker
“95 Prozent der in Tierversuchen erfolgreich getesteten Medikamente funktionieren beim Menschen nicht und werden dann nicht zugelassen. Deswegen muss man die Versuche beim Menschen machen.“