Svenja Hahn gehört zu den Jüngsten im EU-Parlament. Die 30-Jährige kümmert sich für die FDP-Fraktion im Europäischen Parlament um internationale Handelspolitik. Als Politikerin hat sie schon heftige Anfeindungen im Netz erlebt. Auf inhaltlicher Ebene bewegt sie sich aber sehr souverän - und legt da auch Wert drauf.

Die Wahl des EU-Parlaments im Mai 2019 liegt nun ein halbes Jahr zurück. Für einige Abgeordnete war der Start in Brüssel etwas völlig Neues. Im Sommer haben wir schon Erik Marquardt von den Grünen bei seinen ersten Tagen im EU-Parlament begleitet. Er war damals noch dabei, Räume zu finden, sich einzurichten und zu orientieren.

Diese Phase hat Svenja Hahn von der FDP auch durchgemacht aber inzwischen hinter sich. Für sie hat die inhaltliche Arbeit längst begonnen. Ihre Themen: internationale Handelspolitik und Binnenwirtschaft.

EU-Abgeordnete haben lange Tage

Gut 40 Wochen ist Svenja Hahn entweder in Brüssel oder in Straßburg. Für Hamburg – ihre Heimat – bleibt da nur wenig Zeit. An einem der wenigen Tage, wo sie in der Hansestadt ist, trifft sie Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katharina Kühn.

Svenja Hahn ist auf dem Weg ins zweite Meeting. Sie trifft einen Vertreter aus dem Vorstand eines Digitalunternehmens. Es geht darum, wie der Hamburger Hafen kommuniziert, wann welches Schiff einfährt und ob der Zoll die Container noch durchsehen muss.

In Gesprächen bestehen: Namedropping muss sitzen

In dem einstündigen Gespräch lernt die EU-Abgeordnete viel über Abläufe und Hintergründe. Es geht aber auch darum, die richtigen Fragen zu stellen, Namedropping zu beherrschen und Kenntnisse über spezielle Technologien oder bestimmte Branchenvereinigungen unter Beweis zu stellen. Svenja Hahns Tag wird bis 22:30 Uhr dauern.

Spott wegen Youtube-Video

Im Europäischen Parlament sitzt die Abgeordnete in den Ausschüssen für Binnenmarkt und Verbraucherschutz und für internationale Handelspolitik. Deshalb ist die Politikerin ein gern gesehener Gast.

Auf ihrem Weg ins Europaparlament hat Svenja Hahn aber nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Viel Spott erntete sie für ein Youtube-Video, in dem sie für die Briefwahl wirbt. Das Ding sollte eigentlich ironisch rüber kommen und die Youtube-Manier auf die Schippe nehmen. Das ging aber nach hinten los. Svenja Hahn berichtet, dass das Video schnell auf irgendwelchen Trollseiten gelandet war und systematisch gegen sie gehetzt wurde.

Als junge Politikerin in der Schusslinie

In der Rückschau denkt sie aber auch, dass sie als junge Frau ganz speziell in der Schusslinie stand. Vor allem, als junge Politikerin.

"Ich glaube gerade als junge Frau in der Politik ist man häufig auch Symbolfläche für vieles, was manchen Menschen nicht gefällt, und das ist schon traurig."
Svenja Hahn, EU-Abgeordnete für die FDP

Unsere Reporterin Katharina Kühn nimmt Svenja Hahn als sehr freundliche, immer strahlende und inhaltlich sehr genaue Frau wahr. "Wenn das Mikrofon an ist, macht sie keinen einzigen Grammatikfehler und artikuliert sehr deutlich", sagt Katharina Kühn.

"Svenja Hahn weiß, dass sie anders beurteilt wird als ein älterer Politikprofi."
Katharina Kühn, Deutschlandfunk Nova

Zweiter Listenplatz und ein Tweet vom Klo

Dass Svenja Hahn es im Januar dieses Jahres auf Platz zwei der Liste geschafft hat, hat sie selbst überrascht. Sie war in einer Kampfabstimmung als Jungliberale gegen eine erfahrene EU-Abgeordnete angetreten – und gewann. Und das ziemlich deutlich.

Nach dem Ergebnis wurde sie solange von Menschen umarmt und beglückwünscht, dass sie sich irgendwann auf der Toilette eingeschlossen hat, um einen Tweet abzusetzen.

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Dass die Zeit im EU-Parlament nicht für ewig ist, ist Svenja Hahn bewusst. Mandate seien immer nur vorübergehend, sagt sie, und spricht dabei aus Erfahrung. 2013 hatte Svenja Hahn schon einmal für einen Bundestagsabgeordneten gearbeitet. Als die FDP dann aber aus dem Bundestag flog, war ihr halber Freundes- und Bekanntenkreis arbeitslos. Diese Zeit sei sehr prägend und auch lehrreich gewesen, sagt sie.