Der Drogenbericht der Bundesregierung wird mal wieder präsentiert. Vorab haben kritische Wissenschaftler den alternativen Drogenbericht vorgestellt - sozusagen als Gegengewicht der Regierungslinie.

Eigentlich will man ja erreichen, dass weniger Leute Drogen nehmen, sagt Karen Grass, die sich beim Recherchebüro CORRECT!V mehrere Monate mit dem Thema Drogenpolitik beschäftigt hat. Das hat in den letzten Jahren aber nicht so wirklich geklappt. Wenn man sich die neusten Daten von 2012 anguckt, sieht man zum Beispiel, dass es mehr Alkoholiker und mehr Tabaksüchtige gibt als vor zehn Jahren. Außerdem nehmen auch mehr Leute illegale Drogen, besonders auffällig ist das etwa bei leistungssteigernden Drogen wie Crystal Meth.

Warm tut sich bei den Abhängigkeitszahlen so wenig?

"Suchthelfer, Forscher und Polizisten sagen, dass zu viel Geld in die Strafverfolgung geht und zu wenig in Aufklärung und Prävention."
Karen Grass, Reporterin beim Recherchebüro CORRECT!V

Das war auch ein Kritikpunkt im Alternativen Drogenbericht. Mittlerweile sehen das sogar die Beamten selbst so - etwa Dirk Peglow, Polizist in Frankfurt und Vizechef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Hessen. Er fragt sich, ob man weiterhin jeden Cannabiskonsumenten an der Straßenecke hochnehmen sollte. Diese Fälle machen bisher fast die Hälfte aller Drogenverfahren in Deutschland aus.

"Wir brauchen eine Regelung, die die Polizei in die Lage versetzt, eben erst gar keine Ermittlungsverfahren gegen die Menschen einleiten zu müssen."
Dirk Peglow, Vizechef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Hessen

Legalisierung bestimmter Drogen?

Viele Polizisten sprechen sich dafür aus, darüber zu diskutieren - zumindest für Cannabis. Dadurch könnten dann auch wieder Ressourcen für Präventionsarbeit frei werden. Wenn man sich den Aufwand ansieht, der momentan bei der Strafverfolgung anfällt, erscheint das plausibel, sagt Karen Grass. Sie hat sich unter anderem beim Zoll an der bayerischen Grenze umgesehen.

"Die durchsuchen Autos ohne konkreten Verdacht - etwa nach Crystal. Zusätzlich sind in Bayern mehrere hundert Polizisten in zivil unterwegs."
Karen Grass, Reporterin beim Recherchebüro CORRECT!V

Wie könnte gute Prävention aussehen?

Kritiker - wie etwa die Autoren des alternativen Drogenberichts - wollen, dass man strukturell etwas ändert, auch im Bereich der legalen Drogen. Sie befürworten etwa die beschränkte Abgabe von Alkohol und Verbote für Alkoholwerbung. Viele Suchtexperten sagen auch, dass man viel mehr da hingehen sollte, wo die potenzielle Konsumenten sind.

Hilfe vor Ort

Man sollte mit ihnen auf Augenhöhe sprechen, nicht mit erhobenem Zeigefinger. In dem Bereich gibt es in Deutschland bisher aber nur wenige Projekte - etwa Alice in Frankfurt oder Odyssee in Kiel oder die Drugscouts aus Leipzig. Die gehen auf Festivals und reden da mit Leuten über das, was sie konsumieren.