Dort, wo indigene Völker leben, geht es dem Regenwald besser. Das haben zwei Politikwissenschaftlerinnen aus den USA festgestellt und hatten deshalb die Idee: Wenn die Indigenen besser geschützt werden, könnte es auch dem Regenwald besser gehen.

Für ihre Studie haben die Politikwissenschaftlerinnen Ella Bayi und Kathryn Baragwa Satellitenbilder zwischen 1982 und 2016 aus Brasilien ausgewertet, denn dort steht mehr als die Hälfte des Amazonas-Regenwaldes.

Dabei haben sie analysiert, welches Gebiet wem gehört und wie viel dort abgeholzt wurde. Ihre Feststellung: In den Gebieten, in denen die indigenen Gruppen die vollen Eigentumsrechte bekommen haben, wurde deutlich weniger abgeholzt als in anderen Gebieten, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn.

"Die Wissenschaftlerinnen haben festgestellt: Wenn indigene Gruppen in einem Gebiet die vollen Eigentumsrechte bekommen haben, wurde zwar weiter abgeholzt, aber bei weitem nicht mehr so viel."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der lange Weg zum eigenen Land

Mitte der 90er Jahre wurden den indigenen Stämmen in Brasilien die Hälfte der Gebiete, die sie für sich beansprucht haben, voll zugesprochen. Um eine Fläche davon, so groß wie Israel, gibt es allerdings immer noch Streit.

Grundsätzlich gibt es mehrere Stufen, in denen entschieden wird, ob Indigene das volle Landrecht für ein Gebiet erhalten:

  1. Es muss geprüft werden, welches Gebiet zu ihnen gehört und wo die Grenzen genau verlaufen.
  2. Ein Justizministerium muss zustimmen und ein Eintrag in das Grundbuch muss erfolgen.
  3. Andere Menschen, die sich auf den Gebieten angesiedelt haben und nicht zu den Indigenen gehören, müssen umgesiedelt und entschädigt werden.

Erhalten die Indigenen das volle Recht für ein bestimmtes Gebiet, bedeutet dies aber auch, dass der Wald dort von niemandem anderen mehr genutzt werden kann. Deswegen haben sie unter dem aktuellen Präsidenten Jair Bolsonaro, aber auch bereits unter dessen Vorgänger Michel Temer, überhaupt keine Gebiete erhalten.

Wenig Hoffnung unter Jair Bolsonaro

Jair Bolsonaro wird bereits seit längerem international dafür kritisiert, dass er sich nicht für den Umweltschutz einsetzt. Im Gegenteil: Er plant sogar ein Gesetz, das erlauben soll, in die Gebiete der indigenen Stämme gehen zu dürfen und dort alles abholzen und andere Rohstoffe fördern zu dürfen.

Unter Jair Bolsonaro gibt es also kaum Hoffnung darauf, dass die Indigenen mehr Land zugesprochen bekommen, sagt Ann-Kathrin Horn.

"Unter der aktuellen Regierung ist das wohl nicht zu erwarten, dass Indigene mehr Land kriegen und dass ihr Land dann auch ordentlich geschützt wird."
Ann-Katrhin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die beiden Forscherinnen fordern deshalb andere Länder auf, mehr Druck auf Brasilien auszuüben. Der Ansatz dabei soll allerdings weniger sein, den Regenwald zu schützen, sondern die indigenen Völker. Damit wollen sie gleich zwei Probleme lösen: Zum einen können sie etwas für die Menschenrechte der indigenen Völker tun und gleichzeitig sehen sie darin eine kosteneffiziente Möglichkeit, den Regenwald besser zu schützen.

Zusätzlich schlagen sie vor, dass Zahlungen zum Schutz des Regenwaldes nicht massenweise an die brasilianische Regierung gehen, sondern besser über beispielsweise NGOs laufen sollten. Diese könnten wiederum Anwältinnen und Anwälte bezahlen, die die Rechte der Indigenen durchsetzen.

Die Einstellung des Amazonas-Fonds

Im Jahr 2008 wurde der Amazonas-Fonds von der brasilianischen Regierung eingerichtet, um die Entwaldung im Land zu reduzieren und die nachhaltige Entwicklung Brasiliens zu fördern. Über das Geld kann allein die brasilianische Regierung verfügen.

Norwegen war dabei der größte Geldgeber, die deutsche Regierung hat 55 Millionen Euro beigesteuert. Letztes Jahr wurden die Zahlungen aus Protest an der Regierung Bolsonaros eingestellt.