Corona-Abstandsregeln sind für viele nervig. Für blinde Menschen können sie aber zu einem richtigen Problem werden. Das fängt beim vorgeschriebenen Abstandhalten an und endet noch lange nicht beim Lesen von Hinweisschildern.

Eigentlich kommt Christiane Möller gut voran. Sie ist fit, kann sich frei bewegen. Doch seit der Corona-Pandemie sei ihr Alltag problematischer, erzählt die blinde Juristin: "Es ist tatsächlich schwieriger geworden."

"Es hat sich noch keiner beschwert, aber es wird auch wenig Hilfe angeboten."

Christiane Möller ist Rechtsreferentin beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. in Berlin und in der Stadt immer wieder mit der S-Bahn unterwegs. Es ist still geworden in der S-Bahn, ist ihr aufgefallen, es wird nicht mehr so viel gesprochen. Das macht es ihr schwieriger: "Durch die Abstandsregelungen ist man natürlich bemüht, seinen Mitfahrenden in der S-Bahn nicht zu nahe zu kommen." Das sei aber nicht einfach, weil sie ja nicht sieht, wo der oder die andere sich aufhält oder sitzt.

Die Juristin versucht dann, mit ihrem Stock zu ertasten und zu fühlen, wo ein Platz für sie frei ist. Das funktioniere halbwegs: "Es hat sich noch keiner beschwert", stellt Christiane Möller fest, "aber es wird auch wenig Hilfe angeboten". Ein kurzer verbaler Hinweis, wo noch ein Sitz frei ist, würde schon sehr helfen.

Schlangen im Supermarkt sind schwierig

Eine ähnliche Situation erlebt sie im Supermarkt: Die Schlangen an den Kassen seien ein riesengroßes Problem. "Die Markierungen auf dem Boden kann ich schon mal gar nicht sehen. Und oft bekomme ich nicht mit: Wo ist eigentlich die Schlange, wo ist ihr Ende und wann geht es weiter?" Ungeduldige Menschen würden dann schon mal motzen, dass man ihnen nicht zu nahe kommen soll, sich hinten anstellen soll, endlich weiter gehen soll und so weiter.

"Ich wünsche mir mehr Gelassenheit, mehr Geduld und vor allem mehr Kommunikation."

Für sehbehinderte Menschen kann jeder Besuch in Behörden, Arztpraxen oder öffentlichen Einrichtungen zur Herausforderung werden. Wer nicht weiß, wo genau der Desinfektionsspender hängt, ist aufgeschmissen, sagt Christiane Möller. Die meisten Informationen und Regeln würden über Zettel an den Eingängen ausgehängt. "Aber wenn man die nicht lesen kann, ist es natürlich schwierig, die Regeln zu befolgen."

Sie wünscht sich mehr Hilfe und Unterstützung. "Man muss einen Sehbehinderten nicht gleich anfassen oder Angst haben, dass der einen anfassen will", sagt Christiane Möller. Einfach ansprechen und fragen, ob Hilfe nötig ist, würde schon viel bringen. Darum ihr Wunsch: mehr Gelassenheit, mehr Geduld und vor allem mehr Kommunikation.

Auf der Seite vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. gibt es Tipps, wie ihr Sehbehinderten helfen könnt.