Was wir nicht alles wollen und müssen: Die Liste ist lang. Und dabei sollen wir immer schön locker bleiben. Aber: Sich entspannen funktioniert nur, wenn wir uns frei machen von diesem Leistungsdruck, meint Achtsamkeitslehrerin Vira Drotbohm. Und sie hat ein paar Tipps für uns.

Es ist Dezember. Das Jahr geht zu Ende. Und auf deinem Zettel stehen noch unzählige To-Dos. Der Job muss fertig werden, der Urlaub geplant, du willst alle Freunde noch mal treffen, und ein bisschen "Me-Time" soll es auch noch sein.

Diese Art von Stress kennen sicher viele von uns. Auch Vira Drotbohm. Sie ist Yoga- und Achtsamkeitslehrerin. Und sie sagt: Ganz wichtig in solchen Momenten sei es, einmal genau in sich hineinzuhören: Wie geht es mir? Wie fühle ich mich? Bin ich gerade ent- oder verspannt, und wie zeigt sich das?

"Das ist ganz wichtig, dass wir überhaupt mitkriegen, wo wir gerade sind. Was ist in meinem Körper, meinem System ein entspannter Moment? Wie fühlt der sich an?"
Achtsamkeitslehrerin Vira Drotbohm

Für Entspannung gibt es körperliche Indizien: "Du spürst, riechst und schmeckst mehr", sagt Vira Drotbohm, der Atem geht ruhiger, man schläft besser. Individuell gebe es aber durchaus Unterschiede.

Kleine Rettungsanker für den Alltag

In stressigen Situationen helfe es allerdings nichts, sich noch mehr Stress mit dem Gedanken zu machen: "Ich muss jetzt entspannen!" Besser sei es da, seine kleinen Rettungsanker im Alltag zu kennen, die uns helfen können, ein bisschen runter zu kommen: Für die einen könne das der Fußballabend mit Freunden sein, für andere der Kinobesuch oder ein Glas Wein.

"Das funktioniert glaube ich nicht, dass wir immer denken, wir müssen mal entspannen."
Achtsamkeitslehrerin Vira Drotbohm

Ein gänzlich stressfreies Leben gibt es schließlich nicht. Das Leben bewege sich immer zwischen den beiden Polen "Spannung" und "Entspannung", meint die Achtsamkeitslehrerin. In dieser Hinsicht sei Stress nichts Schlechtes. Wir sollten aber bestenfalls lernen, gut damit umzugehen.

Techniken, die helfen können

Vielen von uns fehle der Ausgleich, etwa Bewegung, so Vira Drotbohm. In ihren Kursen zeigt sie Techniken, die helfen können, Stress abzubauen. Planmäßig gelebte Achtsamkeits- oder Meditationspraxis, nennt sie das. Und sie findet das so wichtig wie das tägliche Zähneputzen.

Dabei gebe es unterschiedliche Typen, sagt die Trainerin: Mentale Typen, die über den Kopf zu Entspannung finden und Menschen, die über Bewegung entspannen. "Manche machen einfach nur die Augen zu". Bei vielen funktioniere es aber gut, über sanfte Bewegungen zur Entspannung zu finden, etwa Tai Chi.

"Wir wissen, wenn wir uns nicht kümmern, wird es irgendwann zurückschlagen"
Achtsamkeitslehrerin Vira Drotbohm

Aber auch ohne teure Kurse und Seminare könne jeder etwas für sich tun, sagt sie. Wenn die Aufgaben einem zu viel werden, müsse man ganz praktisch einmal darüber nachdenken, was gestrichen werden kann. "Das kann man ganz alleine machen - und sollte man auch."

"Fünf Minuten am Abend oder Morgen einfach die Augen zu machen und sich fragen: Wie geht's mir denn?"
Achtsamkeitslehrerin Vira Drotbohm

Oder noch ein Tipp: Sich einfach fünf Minuten täglich die Zeit nehmen, sich selbst zu spüren und sich zu fragen: Wie geht es mir?

Auch wenn man nur eine Minute Zeit habe, könne es helfen, die Hände auf den Bauch zu legen und in den Bauch zu atmen. Das entspannt, sagt Vira Drotbohm.

Doch der wichtigste Tipp, den sie hat, ist vielleicht dieser: Wenn wir etwas gefunden haben, das uns hilft, eine Übung oder Praxis, dann sollten wir dabei bleiben - sofern uns das Spaß macht. Sonst nütze das alles nichts.

"Es nutzt nichts, wenn ich einen Leistungsgedanken hinter meiner Achtsamkeits- oder Meditationspraxis habe. Ich muss es wirklich gerne machen."
Achtsamkeitslehrerin Vira Drotbohm