Wer an den Slums in der ägyptischen Hauptstadt Kairo vorbei fährt, landet irgendwann bei der Baustelle von "Capital Cairo". Das 45-Milliarden-Bauprojekt soll eine Art neue Hauptstadt werden - allerdings nur für Reiche. Es verschärft die ohnehin große Kluft zwischen Arm und Reich in Ägypten.

Auf einer riesigen Baustelle im Nirgendwo recken sich Baukräne und die ersten großen Gebäude in den Himmel. Das Projekt mit dem Namen "Capital Cairo" soll quasi eine neue Hauptstadt werden: "Eine futuristische Mega-Metropole, etwa 50 Kilometer entfernt vom chaotischen, verdreckten und überbevölkerten Kairo", erklärt ARD-Korrespondent Martin Durm.

Gated Community Deluxe

Offiziell wird als Grund für den Bau der neuen Megastadt angegeben, dass dadurch Kairo entlastet werden soll, berichtet Martin. 20 Millionen Menschen leben dort, und Entlastung ist dringend nötig. Doch an der aktuellen Umsetzung gibt es Kritik. Diese stelle lediglich eine Entlastung für die ägyptische Elite dar: Regierungspolitiker, hochrangige Militärs und Unternehmer sollen dort hinziehen.

"Inoffiziell soll Cairo Capital nur eine bestimmte Schicht von Ägyptern entlasten: Die Reichen und die Elite."
Martin Durm, ARD-Korrespondent für Ägypten

Bei der Konstruktion der Gebäude setzen die Architekten nicht nur auf Prunk, sondern auch auf nachhaltige Energiekonzepte. Ob der Plan der Wüstenstadt, der vor allem von Präsident Abdel Fatah El-Sisi angetrieben wird, wirklich aufgeht, sei fraglich, sagt Martin Durm. Schon viele solcher Wüstenstadt-Projekte seien in den Sand gesetzt worden.

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Für den ärmeren Teil der Bevölkerung wird in der neuen Stadt vermutlich kein Platz sein, sagt unser Korrespondent. Sie sei eher wie eine Gated Community und mit besonderen Sicherheitsmaßnahmen entwickelt worden. Ärmeren Ägyptern sei eher die Rolle als Bedienstete zugedacht. Ein autarkes Leben in diesem neuen, für Wohlhabende konzipierten Cairo, würden sie sich nicht leisten könnten. 

Prestigeprojekt des Präsidenten

"Die Preise sind enorm hoch. So hoch, dass nur eine auserlesene Schicht von Ägyptern dort leben könnte", sagt Martin. Grob geschätzt betreffe das höchstens 1 Million der 100 Million Menschen starken ägyptischen Bevölkerung.

Modell capital cairo, 2015
© dpa
2015 war Capital Cairo noch ein Modellprojekt, jetzt sind die ersten Gebäude des 45 Milliarden Dollar-Projekts fertig

Für Präsident Sisi ist Capitol Cairo ein Prestigeprojekt. Wie teuer genau die neue Megastadt wird, dazu gibt es keine konkreten Informationen, erklärt Martin. Es kursiert die Zahl von 45 Million Dollar, oft sei aber auch nur von einer zweistelligen Milliardensumme die Rede. 

"Unklar ist auch, ob Ägypten das Geld überhaupt aufbringen kann. Denn es ist eines der ärmeren Länder - auch wenn es ein erstaunliches Wirtschaftswachstum gibt."
Martin Durm, ARD-Korrespondent für Ägypten

Unklar sei, ob das Land sich dieses Mega-Projekt überhaupt leisten könne. Die finanzielle Situation von Ägypten allerdings sei nicht ganz so leicht zu durchschauen, sagt Martin. Im letzten Jahre habe es ein enormes Wirtschaftswachstum gegeben, mit unterstützt durch einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds. Bei der Bevölkerung aber kommt dieser Erfolg nicht unbedingt an.

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Viele Menschen hätten das Gefühl, sie würden das Wachstum mitbezahlen, während gleichzeitig viele Subventionen für Lebensmittel, Strom und Gas gestrichen würden. "Viele Ägypter sind verarmt", so Martin. Das Milliardenprojekt verschärfe die ohnehin große Kluft zwischen Arm und Reich. Gleichzeitig betrachte sich Präsident Sisi quasi als Schutzpatron der Armen. Doch, so der Korrespondent, die Slumviertel von Kairo, ein Leben im Müll und Elend, würden zeigen, dass gerade beim Kampf gegen die Armut in Ägypten dringend Geld benötigt würde.